{"id":5,"date":"2004-09-12T00:00:00","date_gmt":"2004-09-12T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.viermalvier.de\/archiv\/?p=5"},"modified":"2004-09-12T00:00:00","modified_gmt":"2004-09-12T00:00:00","slug":"der-volkswagen-iltis-sieger-der-rallye-paris-dakar-1980","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.viermalvier.de\/archiv\/?p=5","title":{"rendered":"Der Volkswagen Iltis, Sieger der Rallye Paris-Dakar 1980"},"content":{"rendered":"<div>Das AutoMuseum Volkswagen stellt das Siegerauto aus. <\/div>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.viermalvier.de\/archiv\/wp-content\/images\/stories\/vw\/iltis0.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Ein Viertel Jahrhundert ist es inzwischen her, als die ber&uuml;hmte Rallye Dakar 1979 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Wenn Volkswagen im Januar 2004 mit dem neuen Race-Touareg zur 26. Auflage der h&auml;rtesten Rallye der Welt antritt, hat die hoch entwickelte Rohrrahmen-Konstruktion mit Kohlefaser-Karosserie einzig das Volkswagen Emblem im K&uuml;hlergrill mit jenem Auto gemein, mit dem die Marke anno 1980 einen souver&auml;nen Doppelsieg bei dem Afrika-Marathon feierte. Mit diesem Erfolg bewies der mit Allradantrieb und Differentialsperren an beiden Achsen ausgestattete Gel&auml;ndewagen eindrucksvoll seine konstruktive Reife und Zuverl&auml;ssigkeit und bereitete das Terrain f&uuml;r die Allradkonzepte quattro&reg; von Audi und Syncro von Volkswagen. <\/div>\n<p><!--more--><br \/>Das Siegerauto von einst, ein Iltis mit der Startnummer 137 pilotiert von Freddy Kottulinsky und Beifahrer Gerd L&ouml;ffelmann, steht als Exponat im Wolfsburger &quot;AutoMuseum Volkswagen&quot;. Volkswagen belie&szlig; den mit seiner H&ouml;he von 1,83 Meter noch immer stattlichen Gel&auml;ndewagen im unver&auml;nderten Zustand. Von der gerissenen Windschutzscheibe bis zum PVC-Verdeckgewebe, das einem Cham&auml;leon gleich die sandgelbe Umgebungsfarbe Afrikas angenommen hat, pr&auml;sentiert sich der &quot;W&uuml;stling&quot; als unrestauriertes, sehr gut erhaltenes Original. Das Qualit&auml;tsmerkmal &quot;original&quot; gilt auch f&uuml;r die Technik, die vor mehr als zwei Jahrzehnten fast unver&auml;ndert vom Serienfahrzeug &uuml;bernommen wurde. In den nominellen Daten nimmt sich der Iltis damit so bescheiden aus, dass man ihm kaum Siegqualit&auml;ten zutraut. Ein Vierzylinder-Motor mit 1,7 Liter Hubraum, 130 km\/h H&ouml;chstgeschwindigkeit, Quer-Blattfedern vorne und hinten, vier Trommelbremsen &#8211; vorsichtig formuliert entsprach der Iltis keiner bis dato bekannten motorsportlichen Norm. <\/p>\n<p><strong>Projektbeginn: Am Anfang steht das Serienmodell<\/strong> <br \/>Dieser technisch geradezu unspektakul&auml;re Auftritt des Iltis liegt in seinen Urspr&uuml;ngen Begr&uuml;ndet. Schlie&szlig;lich entsteht der Typ 183, so die interne Bezeichnung, ab Herbst 1975 nicht mit dem Hintergedanken sportlicher Bet&auml;tigung. Vielmehr gilt es, einen Nachfolger des Gel&auml;ndewagens Munga zu entwickeln, den die sp&auml;ter von Audi &uuml;bernommene Auto-Union-Marke DKW zwischen 1956 und 1968 in Ingolstadt produzierte. <\/p>\n<p>Das Ziel: Ein ebenso leichter wie robuster, einfacher wie fortschrittlicher und m&ouml;glichst wartungsfreier Gel&auml;ndewagen, der in hohem Ma&szlig;e auf Teilen und Baugruppen aus der Gro&szlig;serie basieren soll. <br \/>Das Lastenheft f&uuml;r den Iltis enth&auml;lt rigide Vorgaben im Sinne h&ouml;chsten Nutzwertes auf engem Raum, vom kurzen Radstand und der schmalen Spurweite (1230\/1260 mm vorne\/hinten) bis hin zu einer Nutzlast von immerhin 700 Kilogramm bei nur 1.300 Kilo Eigengewicht.<br \/>Diese Ma&szlig;gaben freilich bedeuten eine ganze Reihe handfester Vorteile f&uuml;r den Afrika-Einsatz. Von der wasserdichten, bel&uuml;fteten Kupplung bis zur mehrfachen Dichtung der Antriebswellen f&uuml;r Furt-Durchquerungen, dem Treibstoff-System mit Dampfblasen-Abscheider bis zur Schleuderzentrifuge gegen Sandpartikel im Trockenluftfilter oder dem isolierten 24-Volt-Stromkreis: Der Iltis vereint auf 3,88 Meter Au&szlig;enl&auml;nge alles, was zwischen minus 30 und plus 44 Grad Celsius &#8211; auch das eine Vorgabe des Lastenhefts &#8211; im extremen Gel&auml;nde-Einsatz von Vorteil ist.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.viermalvier.de\/archiv\/wp-content\/images\/stories\/vw\/iltis1.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" \/><a name=\"_abschnitt_3\"><strong>Vorbereitung: Fahrerwahl und Tests<\/strong><\/a> <\/div>\n<div>Der Iltis war eine &auml;u&szlig;ert robuste und solide Basis f&uuml;r den Dakar-Einsatz&quot;, erinnert sich Roland Gumpert. Der Ingenieur, Jahrgang 1944, ist in dem von Volkswagen an die Konzerntochter Audi delegierten Projekt nicht nur f&uuml;r den Fahrversuch der Serienversion verantwortlich, sondern auch f&uuml;r den Dakar-Einsatz. &quot;Wir wollten beweisen, dass man mit einem fast serienm&auml;&szlig;igen Gel&auml;ndewagen erfolgreich eine 10.000 Kilometer lange Rallye durch Afrika bestreiten kann. <\/p>\n<p>Mit sechs bis sieben Monaten Vorlauf begannen wir mit der Vorbereitung&quot;, beschreibt Gumpert die Initialz&uuml;ndung zu dem Projekt. Zehn Iltis laufen in jenem Sommer 1979 bereits im Fahrversuch der franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden, die eine gro&szlig;e Anschaffung f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke beabsichtigen. Was also erscheint geeigneter, als die Qualit&auml;ten des Iltis bei einem Dakar-Einsatz zu beweisen?<br \/>Die Modifikationen, die die Techniker dem Gel&auml;ndewagen f&uuml;r die Rallye angedeihen lassen, bleiben moderat. <br \/>Von etwa 75 PS wird die Motorleistung mittels Doppelvergaser und weiterer kleiner Details auf 110 PS gesteigert, hinzu kommt eine Rallye-typische Ausr&uuml;stung mit komplettem &Uuml;berrollk&auml;fig, Anzeigen f&uuml;r &Ouml;ldruck, &Ouml;ltemperatur, Drehzahl, Wassertemperatur und Benzindruck bis zum Wegstreckenz&auml;hler, Sportsitzen, einem Dreispeichen-Lenkrad, Frontschutzgitter, Unterboden-Schutz, Halogen-Zusatzscheinwerfern sowie einem Extra-Tank von etwa 90 Litern als Erg&auml;nzung zum 85 Liter fassenden Serien-Reservoir f&uuml;r die langen Distanzen.<br \/>Um das Fahrwerk an die Rallye-Strapazen anzupassen, werden Federung und D&auml;mpfung verbessert. Ganze 1,52 Meter betr&auml;gt die Breite des Gel&auml;ndewagens &#8211; rund 24 Zentimeter schmaler als die j&uuml;ngste Golf-Generation &#8211; , der Radstand gar nur 2,01 Meter. Um trotzdem ein vern&uuml;nftiges Fahrverhalten zu erm&ouml;glichen, werden die Anschlagpunkte der Querblattfedern f&uuml;r ein fr&uuml;heres Abfangen harter St&ouml;&szlig;e vorverlegt. Ebenso kommen verst&auml;rkte und h&auml;rter abgestimmte Boge-Sto&szlig;d&auml;mpfer zum Einsatz. Sandreifen von Uniroyal mit sieben statt der &uuml;blichen vier Lagen in der Karkasse runden das Paket ab. Die weitere Mechanik des in Ingolstadt produzierten Serien-Modells bleibt unangetastet.<br \/>Ein ganzes Iltis-Quartett entsendet der Konzern zur zweiten Auflage des damals in Deutschland noch recht unbekannten Marathons. Freddy Kottulinsky, Jahrgang 1932, in unz&auml;hligen Formel-, Sport- und Tourenwagen-Wettbewerben mit allen Wassern des Motorsports gewaschen, empfiehlt sich zu diesem Zeitpunkt als Test- und Rallyefahrer bei Audi f&uuml;r die Aufgabe. <br \/>Der Franzose Jean Ragnotti, Jahrgang 1945, begabter Rallye-Pilot, 1978 Vierter in Le Mans und im November 1979 im frontangetriebenen Gruppe-2-Fahrzeug sensationeller Zweiter beim Rallye-WM-Lauf auf Korsika, erg&auml;nzt das Aufgebot. Er steuert den einzigen F&uuml;nfzylinder-Prototypen mit 2,1 Liter Hubraum und gut 160 PS. Sein Landsmann Patrick Zaniroli, Jahrgang 1950, bringt seine reichhaltige Erfahrung aus vielen Jahren in der Franz&ouml;sischen Gel&auml;ndewagen-Meisterschaft &#8211; darunter ein Meistertitel 1975 &#8211; in das Projekt ein. Der Enkel des Bugatti-Vorkriegspiloten Robert S&eacute;n&eacute;chal ist gleichzeitig in Frankreich f&uuml;r die Infrastruktur des Einsatzes verantwortlich. Roland Gumpert schlie&szlig;lich steuert einen vierten Iltis als so genanntes &quot;Chase Car&quot; &#8211; eine Art rollendes Werkstattfahrzeug f&uuml;r die drei Teamkollegen, da externe Service-Autos verboten sind. <br \/>Bei verschiedenen Tests, die das Team in Deutschland und Patrick Zaniroli in Frankreich durchf&uuml;hren, erfolgt die Feinarbeit. Auch eine Serie fehlerhaft gefertigter Sto&szlig;d&auml;mpfer, die Zaniroli kurz vor Weihnachten 1979 noch im Fahrversuch entlarvt, wird rechtzeitig ausgetauscht. <\/div>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.viermalvier.de\/archiv\/wp-content\/images\/stories\/vw\/iltis2.jpg\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Rallye: Reise ins Unbekannte<\/strong> <\/p>\n<div>Am 1. Januar 1980 beginnt die Reise in Paris. &quot;Ehrlich gesagt beschlich uns schon ein etwas mulmiges Gef&uuml;hl, schlie&szlig;lich wussten wir nicht im Geringsten, was uns bei dieser absolut neuen und international fast unbekannten Art von Rallye-Veranstaltung erwartet&quot;, erinnert sich Roland Gumpert an jenen Neujahrstag auf dem Place de Trocad&eacute;ro. Nach einem Prolog in Olivet bei Orl&eacute;ans folgt die Schiffsfahrt von S&egrave;te in S&uuml;dfrankreich nach Algier in Nordafrika und damit der Ernst des Lebens. Die ersten ganz pers&ouml;nlichen Eindr&uuml;cke gravieren sich den Dakar-Novizen schon zu Beginn auf unterschiedlichste Weise ins Ged&auml;chtnis ein. &quot;Ich hatte leider mein Kochgeschirr vergessen&quot;, bedauert Jean Ragnotti. Ganz unfranz&ouml;sisch pflegt der aus Carpentras stammende Rallyefahrer seine Mahlzeiten fortan aus einer umgedrehten Scheinwerfer-Schutzabdeckung einzunehmen. <\/p>\n<p>Auch Freddy Kottulinsky, geb&uuml;rtiger M&uuml;nchner mit schwedischem Pass, geht die Veranstaltung erfrischend unkompliziert an. <br \/>Nachdem er sich am 28. Dezember endg&uuml;ltig mit seinem Arbeitgeber &uuml;ber die Einsatz-Konditionen handelseinig ist und damit eine intensive Vorbereitungsphase von ganzen zwei Tagen bis zur Anreise durchlebt, packt er sein Handgep&auml;ck in sommerlicher Laune. &quot;Ich war K&auml;lte von Rennen und Rallyes in Schweden gewohnt. Gleichzeitig war ich gegen Hitze sehr unempfindlich. Weil die Rallye Dakar durch Afrika f&uuml;hrt, habe ich vor allem viele T-Shirts und leichte Kleidung eingepackt&quot;, so der fr&uuml;here Formel-Super-V-Meister. Dabei entzieht es sich der Kenntnis des Grafen Kottulinsky, dass selbst in der W&uuml;ste Nordafrikas des N&auml;chtens Minusgrade herrschen. Auch in der planerischen Ber&uuml;cksichtigung anderer Annehmlichkeiten &#8211; man denke nur an Schlafs&auml;cke oder ein Zelt als tempor&auml;res Domizil &#8211; sind die Vorjahres-Teilnehmer den meisten Neulingen von 1980 den entscheidenden Schritt voraus. &quot;Es war ganz sch&ouml;n kalt, als ich im Iltis vorne quer auf den Sitzen schlief&quot;, erinnert sich Kottulinsky an seine erfrischenden erste N&auml;chte. Doch das ist erst der Anfang einer Reise, die 23 Tage dauert und durch sieben L&auml;nder f&uuml;hrt.<br \/>Alsbald aber folgen w&auml;rmere Gefilde. Ab dem 4. Januar 1980 stehen von Algier nach In-Salah 1338 Kilometer auf dem Programm, davon aber nur 37 auf Zeit. In der algerischen Sahara-Oase In-Salah erleben die Teams am 7. Januar die erste H&auml;rtepr&uuml;fung mit einem 275 Kilometer langen Test, den der Franzose Neveu f&uuml;r sich entscheidet. Bereits im n&auml;chsten Durchgang setzt sich Volkswagen durch &#8211; Jean Ragnotti gewinnt am 8. Januar in 5:29.02 Stunden die 629 Kilometer lange Etappe von Reggane nach Bordj Moktar in S&uuml;dalgerien, Freddy Kottulinsky f&auml;hrt die drittbeste Zeit. Letzterer dominiert tags darauf auf dem 675 Kilometer langen Abschnitt von Bordj Moktar nach Gao. Das bei der Ankunft in Mali erstellte Zwischenergebnis ist &uuml;beraus ermutigend: Kottulinsky f&uuml;hrt die Automobil-Wertung im seriennahen Iltis mit 15:34.40 Stunden und damit 2.59 Minuten Vorsprung vor den Br&uuml;dern Bernard und Claude Marreau an, die eine Spezialkonstruktion pilotieren. Auf Platz drei liegt Patrick Zaniroli mit Beifahrer Philippe Colesse vor Teamkollege Jean Ragnotti und Copilot Georges Vails, Roland Gumpert ist Elfter. &quot;Eigentlich wollten wir nur ankommen, aber unser geheimer Wunsch, den Ton anzugeben, hat sich fr&uuml;h erf&uuml;llt&quot;, urteilt Gumpert im R&uuml;ckblick.<br \/>Auf den anschlie&szlig;enden 550 Kilometern nach Mopti st&uuml;rmt Kottulinsky zu seiner zweiten Bestzeit in Folge. Von Niono nach Timbuktu f&auml;hrt Ragnotti auf 570 Kilometern wieder am schnellsten &#8211; vier Bestzeiten in Folge f&uuml;r den Iltis. Freddy Kottulinsky hat seinen Vorsprung nach 28:52.09 Stunden Fahrzeit bereits auf 60.46 Minuten vor den Marreau-Br&uuml;dern ausgebaut, Patrick Zaniroli bleibt mit weiteren 26.24 Minuten R&uuml;ckstand Dritter, Jean Ragnotti ist F&uuml;nfter. Der Service-Iltis mit gut 300 Kilogramm Ersatzteilen an Bord liegt auf Platz 14.<br \/>Erst in Gao &#8211; Volkswagen f&uuml;hrt noch immer souver&auml;n &#8211; erwartet die Teilnehmer ein wenig Entspannung, denn es steht eine 1.300 Kilometer lange Verbindungsetappe nach Bobo Dioulasso an. Diese Erholung ist auch dringend notwendig. &quot;Physisch empfand ich die Rallye als nicht so extrem, aber mental&quot;, verr&auml;t Kottulinsky. &quot;Navigationsfehler, sich festfahren, Reparaturen mit oftmals stundenlangem Warten &#8211; das zehrte sehr.&quot; Von praktischen elektronische Hilfen wie dem GPS-System oder Mobiltelefonen ist die Welt damals noch viele Jahre entfernt. &quot;Wir hatten ein Funk-System zur Kommunikation dabei&quot;, berichtet Roland Gumpert. &quot;Seine Reichweite betrug etwa ein, zwei Kilometer&#8230;&quot; <br \/>Der Tagesablauf gestaltet sich f&uuml;r den Ingenieur nach einem immer gleichen, strapazi&ouml;sen Muster: Sechs bis acht Stunden Fahrzeit, anschlie&szlig;end Wartung und Reparaturen. Einmal muss am Service-Iltis die Kardanwelle nach Felskontakt ausgebaut werden &#8211; weiter geht es mit Frontantrieb. Als dann auch noch eine Antriebswelle bricht, erreicht der Iltis mit gesperrtem Vorderachsdifferenzial und Einradantrieb das Etappenziel. Harte Arbeit ist Pflicht f&uuml;r alle, denn die gesamte Einsatzmannschaft besteht aus nur elf wackeren M&auml;nnern. Wohlgemerkt: Alleine acht davon sitzen in den vier Rallye-Autos. Lediglich drei weitere Mechaniker steuern einen dreiachsigen Lkw, der schlie&szlig;lich Zweiter in der Lastwagen-Wertung wird. Teamchef, Fahrer, Chefingenieur und auch Mechaniker &#8211; Roland Gumpert verbindet in Personalunion vier extrem stressreiche Jobs. Der Lohn am Abend? &quot;Das Roadbook mit der Strecke f&uuml;r die n&auml;chste Etappe wurde jeweils nur am Vorabend herausgegeben. Selbstverst&auml;ndlich nur in Franz&ouml;sisch&quot;, so der Audi-Bedienstete, zusammen mit Werkstattmeister Alois Eder als Copilot und Mechaniker unterwegs. Da weder Freddy Kottulinsky noch Beifahrer Gerd L&ouml;ffelmann, Mechaniker der Abteilung Sonderfahrzeuge, des Franz&ouml;sischen m&auml;chtig sind, muss der Teamchef eine weitere Aufgabe bew&auml;ltigen: &quot;Mit der Taschenlampe habe ich oft bis in die fr&uuml;hen Morgenstunden &uuml;bersetzt und nur wenige Stunden geschlafen.&quot;<br \/>In Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, tr&auml;gt sich auf der n&auml;chsten Pr&uuml;fung von Bobo Dioulasso nach Koloko mit Kottulinsky zum f&uuml;nften Mal ein Volkswagen-Pilot in die Liste der Etappengewinner ein. Trotz allen Konkurrenzdenkens, das immerhin bei einer Fluss-&Uuml;berquerung durchaus zu Benachteiligungen der Iltis-Mannschaft im Kampf um freie Pl&auml;tze auf F&auml;hren f&uuml;hrt, hat sich im Ernstfall l&auml;ngst ein Klima gegenseitiger Hilfe entwickelt. In Zeiten kaum bindender Vorschriften &#8211; Sicherheitsma&szlig;nahmen sind meist Empfehlungen, ein Renn-Overall gilt in der W&uuml;ste als l&auml;stige Zwangsjacke &#8211; muss bisweilen jedes Utensil auf Entbehrlichkeit gepr&uuml;ft werden. &quot;Ein Motorradfahrer war schwer gest&uuml;rzt und hatte sich wegen des offenen Jet-Helms sein Gesicht verletzt&quot;, erinnert sich der auf Platz eins liegende Kottulinsky. &quot;Trotzdem wollte er weiter fahren. Also habe ich ihm meinen Vollvisierhelm geschenkt, mit dem er sogar ins Ziel kam&#8230;&quot;<br \/>Anschlie&szlig;end aber unterl&auml;uft dem Schweden auf dem Weg von Kolokani nach Nioro ein folgenschweres Missgeschick. &quot; Das Auto lag einmal schr&auml;g und wir haben den Kompass verloren, was wir aber erst merkten, als wir ihn brauchten&quot;, so Kottulinsky.<br \/>&quot;Auf dem Weg nach Nioro hat man uns dann zwei Mal in die falsche Richtung geschickt.&quot; Der damals 47 Jahre alte Haudegen &uuml;berzeugt kurzerhand einen Einheimischen, im Iltis mit zu fahren und ihm etwa eine Stunde lang den richtigen Weg zu weisen. Den langen Fu&szlig;marsch zur&uuml;ck vers&uuml;&szlig;t Kottulinsky seinem getreuen Helfer mit &quot;allem Bargeld, was ich im Auto mitf&uuml;hrte.&quot; Doch damit ist das Leid noch nicht zuende. Bei dem Versuch, Zeit durch eine Flussdurchfahrt zu gewinnen, f&auml;hrt sich der Iltis-Pilot trotz Allradantrieb fest. 1:45.35 Stunden b&uuml;&szlig;t er insgesamt auf dem 300 Kilometer langen Abschnitt auf Etappensieger Marreau ein und belegt nur Platz 54 in der Tageswertung.<br \/><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.viermalvier.de\/archiv\/wp-content\/images\/stories\/vw\/iltis3.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" \/>Damit ist sein Vorsprung auf wenige Minuten zusammengeschmolzen &#8211; ein F&uuml;hrungskampf zwischen Kottulinsky und Zaniroli droht zu entbrennen. Mit einer Bestzeit im letzten gro&szlig;en Test von Nioro nach Kayes &uuml;ber 247 Kilometer am 19. Januar sowie zwei weiteren guten Ergebnissen bei den mit 86 und 50 Kilometer recht kurzen <br \/>Abschlusspr&uuml;fungen aber baut der F&uuml;hrende sein Zeitguthaben wieder aus. Nach 48 Stunden, 24 Minuten und 36 Sekunden f&uuml;r die 4.059 gewerteten Kilometer kommt Kottulinsky als Erster an den &quot;Lac Ros&eacute;&quot; in Dakar.<br \/>&quot;Zum Schluss wollte ich meinem Beifahrer die Arbeit vers&uuml;&szlig;en und habe ihn noch einmal motiviert, indem ich ihm die H&auml;lfte des Preisgeldes angeboten habe. Der Sieg war einfach fantastisch&quot;, erinnert sich der Gewinner, der heute im th&uuml;ringischen Schleiz lebt, mit 71 Jahren noch immer als Instruktor an den Fahrertrainings der &quot;Audi Driving Experience&quot; mitwirkt und gelegentlich historische Rennen f&auml;hrt &#8211; und oft gewinnt.<br \/>Patrick Zaniroli, heute 53 Jahre alt und als Sport-Direktor von Veranstalter ASO h&ouml;chstrangiger Dakar-Funktion&auml;r, komplettiert das Ergebnis mit nur 12.03 Minuten R&uuml;ckstand zum Doppelsieg f&uuml;r Volkswagen. &quot;Damals gab es noch nicht die gro&szlig;en D&uuml;nen&uuml;berquerungen wie heute. Die Strecke folgte meist erkennbaren Markierungen, insofern war es einfacher. <br \/>Daf&uuml;r gibt es heute viel professionellere Hilfsmittel f&uuml;r eine anspruchsvollere Navigation&quot;, so der Franzose, dem Volkswagen als Geschenk sein Einsatzfahrzeug &uuml;berlie&szlig;. Noch heute beweist der Iltis bei gelegentlichen Funktionstests in der Provence seine Fahrf&auml;higkeit.<br \/>Jean Ragnotti, der erst 1996 seine Rallye-Karriere beendet, erg&auml;nzt als Vierter zusammen mit Roland Gumpert auf Platz neun den Beweis der Zuverl&auml;ssigkeit:<br \/>Vier Iltis am Start, alle vier Autos unter den ersten Zehn im Ziel. F&uuml;r Gumpert ist es gleichsam der Start einer Karriere im Motorsport, denn er wird sp&auml;ter Sportchef von Audi, bevor er ab 1986 f&uuml;r die Marke den Bereich der technischen Entwicklung &Uuml;bersee leitet. Ab 1992 ist er in der Marketing-Abteilung f&uuml;r den Vertrieb Asien-Pazifik verantwortlich und zieht 1999 f&uuml;r drei Jahre nach China, um dort als Vice-President eine Vermarktungs-Aufgabe im Werk Changchun wahrzunehmen. <\/p>\n<p><strong>Die Auswirkungen: Impulse f&uuml;r die Zukunft<\/strong> <\/p>\n<div>Obgleich der Dakar-Start mit dem Iltis ein einmaliger Einsatz bleibt, gehen mehrere wichtige Impulse von dem Erfolg aus. <br \/>So ist dem Konzern auf Anhieb mehr als die erfolgreiche Teilnahme bei der h&auml;rtesten Rallye der Welt gelungen, die Dr. Ferdinand Pi&euml;ch, seinerzeit Entwicklungs-Vorstand von Audi, F&uuml;rsprecher der sp&auml;teren Rallye-Projekte und heute Aufsichtsrats-Vorsitzender von Volkswagen, in jenem Januar 1980 aufmerksam verfolgt.<br \/>Vielmehr revolutionierte das quattro&reg; Konzept von Audi, dessen erste Urspr&uuml;nge bei Wintertests mit dem Iltis in Schweden ersonnen wurden und in einem modifizierten Antrieb des Gel&auml;ndewagens wurzeln, den Rallyesport. Die Auswirkungen sind bis heute sichtbar. Der Konzern begr&uuml;ndet die &Auml;ra des Allradantriebs im Rallyesport und etabliert damit einen noch heute g&uuml;ltigen Standard. Volkswagen z&auml;hlt mit dem Konzept syncro, das in den fr&uuml;hen achtziger Jahren folgt, zu den Wegbereitern des Allradantriebs in preisg&uuml;nstigen Gro&szlig;serien-Fahrzeugen wie dem Golf und dem Passat. Heute setzt Volkswagen mit dem hochmodernen System 4MOTION erneut Ma&szlig;st&auml;be in der Allrad-Konstruktion.<br \/>Neben dem technischen und dem sportlichen Erfolg wird das Unternehmen &quot;Dakar&quot; auch zu einem Paradebeispiel f&uuml;r &Ouml;ffentlichkeitsarbeit. So entsteht f&uuml;r Partner und Kunden des Hauses nicht nur ein zwanzigmin&uuml;tiger Werbefilm &uuml;ber die legend&auml;re Rallye. Auch Journalisten des dritten Programms begleiten den Einsatz und produzieren einen 45-min&uuml;tigen Fernseh-Beitrag &uuml;ber den Doppelsieg von Volkswagen. Ihr Begleitfahrzeug: Ein absolut serienm&auml;&szlig;iger Volkswagen Iltis, der die Gesamtdistanz von 10.000 Kilometern mit vollst&auml;ndiger Kamera-Ausr&uuml;stung ohne den geringsten Defekt &uuml;bersteht. <\/div>\n<div><strong><u>Ergebnis 2. Rallye Oasis Paris-Dakar (1.-23. Januar 1980)<\/u><\/strong> <\/div>\n<p><\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" border=\"1\">\n<tr>\n<td>\n<div><strong>Pl.<\/strong><\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div><strong>Startnr.<\/strong><\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div><strong>Besatzung<\/strong><\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div><strong>Fahrzeug <\/strong><\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div><strong>Kennz.<\/strong><\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div><strong>Zeit<\/strong><\/div>\n<p><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div>1. <\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>137<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Freddy Kottulinsky\/Gerd L&ouml;ffelmann (S\/D)<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Volkswagen Iltis<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>IN-NN 69<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>48:24.36 Std.<\/div>\n<p><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div>2. <\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>136<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Patrick Zaniroli\/Philippe Colesse (F\/F)<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Volkswagen Iltis<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>IN-NC 81<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>+12.03 Min.<\/div>\n<p><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div>4. <\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>138<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Jean Ragnotti\/Georges Vails (F\/F)<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Volkswagen Iltis <\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>IN-NN 95<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>+2:29.53 Std.<\/div>\n<p><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div>9. <\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>139<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Roland Gumpert\/Alois Eder (D\/D)<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>Volkswagen Iltis <\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>IN-NT 25<\/div>\n<p><\/td>\n<td>\n<div>+9:00.33 Std.<\/div>\n<p><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<div><strong>Streckenl&auml;nge: <\/strong>10.000 Kilometer; Prolog, dann 12 Spezialpr&uuml;fungen (4.315 km). <\/div>\n<p><\/p>\n<div><strong>Teilnehmer: <\/strong>Gestartet: 116 (Automobil-Klasse), im Ziel: 51. <\/div>\n<p><\/p>\n<div><strong>Durchquerte L&auml;nder: <\/strong>Frankreich, Algerien, Mali, Niger, Obervolta, Mauretanien, Senegal <\/div>\n<p><\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/automuseum.volkswagen.de\/\" target=\"_blank\"><u>Mehr zum AutoMuseum Volkswagen<\/u><\/a> <\/div>\n<p>(Text und Bilder Volkswagen)<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Das AutoMuseum Volkswagen stellt das Siegerauto aus. Ein Viertel Jahrhundert ist es inzwischen her, als die ber&uuml;hmte Rallye Dakar 1979 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Wenn Volkswagen im Januar 2004 mit dem neuen Race-Touareg zur 26. 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