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#362804 - 16.11.2009 14:05
Die Hölle von Verdun
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our best location scout
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Beiträge: 1468
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Gestern war Kriegsopfergedenktag, ein Tag zur Besinnung auf die Notwendigkeit des Friedens und des Gedenkens an die Kriegstoten. Und davon hatten gerade wir Deutschen unzählige – im eigenen Volk. Aber auch zahllose Tote, die Deutsche fremden Völkern gegenüber zu verantworten haben. Nachfolgend einige Fotos von einem Besuch in Verdun, einer Stadt, die für immer mit der Titulierung „Die Hölle von Verdun“ verbunden sein wird. Hier hat eine der ersten Massenvernichtungsschlachten im industriellen Großmaßstab stattgefunden. Hier wurde mit dem Einsatz von Giftgas „experimentiert“ und die Begriffe Trommelfeuer und Stellungskrieg geprägt. Strategie der deutschen Generalität war es, den Gegner auszubluten – um jeden Preis. Dabei kam es bewußt nicht auf die Minimierung der eigenen Verluste an. Insgesamt wurden auf wenige Quadratkilometer über 50 Millionen Granaten abgefeuert und es kamen bei Verdun insgesamt etwa 3,7 Millionen Soldaten zum Einsatz. Die genaue Zahl der Toten ist unbekannt. Die Schätzungen liegen irgendwo im sechsstelligen Bereich. Und nach den paar Monaten der gegenseitigen Massenvernichtung zwischen Februar und Dezember 1916 hatte sich der Frontverlauf kaum verändert. Die Festung Verdun hatte standgehalten. Die Schlacht war sinnlos gewesen. Wenn man Verdun sehen will, ist ein regnerischer, nebeliger Herbsttag übrigens genau das richtige. Und wenn es auf der Welt irgendwo eine absolute No-go-Area bezüglich Offroad gibt, dann hier. Brauch ich wohl nicht näher zu erläutern. Jetzt aber zu den Fotos. „Blutpumpe“ wurde Verdun auch von den Soldaten genannt:  Geschütz vor dem Eingang des „Memorial“, dem Museum:  Necropole Nationale, diesen Begriff hatte ich nie zuvor gehört:  Gräber und Beinhaus:  mfG Rainer P.S. Weitere Fotos folgen.
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Vor der Hacke ist es dunkel. (Bergmanns-Spruch)
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#362825 - 16.11.2009 15:43
Re: Die Hölle von Verdun
[Re: Wildwux]
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Patrolier
Nicht registriert
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Aus dem ersten Weltkrieg ist nix gelernt worden: http://www.viermalvier.de/ubb_portal/ubbthreads.php/topics/33908/HT1#Post33909Warum sollte es nach dem zweiten anders sein? Seit Neandertal sind wir nicht einen Schritt weiter. Schaut Euch einfach um. Die Höllen sind nicht weniger geworden. "Über gezeichnetem Haupt die nackte Gewalt des Gestirns ward der Kampf uns verhängt und wir ertrugen die Glut. Namen nennen Euch hier den Ort wo wir kämpften und fielen: Wüste heißt dieser Ort. Erde, spurloser Sand. Wüstenwind hüllte uns ein, die Leiber versengend, die Herzen. Schicksalssturm löschte das Licht unseres irdischen Tags. Was wir gewesen, Ihr seid’s. Und was uns verhängt war, bedroht euch. Lernt aus verwehter Spur. Sorgt, dass die Wüste nicht wächst." Gruß
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#362850 - 16.11.2009 17:26
Re: Die Hölle von Verdun
[Re: Wildwux]
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Beiträge: 1468
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@Wildwux: Gruselig? Ja schon, weil die Medaille war ja an die Gegenseite gerichtet und sollte Angst machen. Ausdrücklich dem französischen General Petain und den Alliierten gewidmet, sollte die Medaille die Botschaft überbringen „Seht her, wie wir euch das Blut abpumpen.“ Die Franzosen ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Sie setzten der Blutpumpe der Deutschen die französche Noria (von der Wortbedeutung her eigentlich ein Wasserschöpfrad bestehend aus Eimern und Seilen) entgegen. Ununterbrochen fuhren in einem Takt von 14 Sekunden achttausend LKWs an die Front – über eine Entfernung von 60 km. So konnten pro Woche etwa 100 000 Soldaten und 50 000 Tonnen Munition und Kriegsmaterial an die Front transportiert werden und auf der Rückfahrt die verletzten Soldaten und abgelösten Einheiten mitgenommen werden. Das System wurde auch Paternoster genannt und dadurch haben die Franzosen immer wieder frisches Blut bekommen. Sozusagen mittels Schöpfrad-Paternoster eine permanente Bluttransfusion, wenn das Bild in diesem Zusammenhang nicht zu makaber ist.
mfG Rainer
P.S. Als ich dort war, hat es zeitweilig richtig geschüttet. Landregen. Bei solchem Wetter ist dann abseits der Besucherschwerpunkte keine Menschenseele und man kann sich ungestört seinen Empfindungen hingeben. Ich persönlich habe draußen auf den Schachtfeldern, inmitten der Wiesen und Felder, denen man die schreckliche Vergangenheit ja nicht mehr ansieht, eigentlich nur tiefe Trauer empfunden. Bei der Besichtigung des riesigen Forts Douaumont hingegen muß ich gestehen, kam bei mir mehr ein technisches Interesse auf. Wie das Fort angelegt ist, wie seine Infrastruktur beschaffen war, wie man darin monatelang leben kann, wie so ein Bau überhaupt eingenommen werden kann usw. Aber richtig Grusel kann man sehr wohl im Museum bekommen, wenn man sieht mit welcher Perfidie die Militärs ihre Tötungsmaschinerie perfektioniert hatten. Wenn man z.B. die verschiedenen Sorten von Stacheldrahtverhau und gleichzeitig die unterschiedlichsten Drahtscheren zur Beseitigung der Hindernisse vergleichen kann. Wenn man sieht, wie das Symboltier des Friedens, die Taube, zur Informationsübermittlung eingesetzt wurde. Oder wenn als Pervertierung der Ingenieurskunst und des Inbegriffs menschlicher Freiheit und Sehnsucht, es dem Vogel gleichzutun, Fesselballons zur Präzisierung des Artilleriefeuers in die Luft gelassen wurden. Der Traum vom Fliegen – an die Leine genommen. Die Balloninsassen feindlichen Fliegern und Scharfschützen hilflos ausgeliefert ohne die geringste Fluchtmöglichkeit. Wenn man sieht, wie durch Gas erblindete Soldaten in schier endloser Reihe nach hinten geführt werden. Wenn man Fotos von Granattrichtern sieht, deren Inhalt einfach unbeschreiblich ist...
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Vor der Hacke ist es dunkel. (Bergmanns-Spruch)
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#362901 - 16.11.2009 20:32
Re: Die Hölle von Verdun
[Re: ]
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our best location scout
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Beiträge: 1468
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O.K. – dann auch noch von mir noch ein paar Tips zum lesen und schauen. „Im Westen nichts Neues“ als Buch von Erich Maria Remarque lesenswert und als gleichnamiger Film sehenswert. Und was speziell den Gebirgskrieg anbelangt: „Sperrfort Rocca Alta“ von Luis Trenker, der dort als junger Offizier ein Jahr im ersten Weltkrieg unter dem permanenten Beschuß vom höhergelegenen Monte Verena verbringen mußte. Auf der Hochfläche von Asiago. Vom selben Autor „Berge in Flammen“ – auch verfilmt. Einer der profundesten Kenner der Kriegshandlungen im ersten Weltkrieg war der Südtiroler Gunther Langes. Sein Buch „Die Front in Fels und Eis“ ist ein reich bebildertes Standartwerk über den Weltkrieg 1914-1918 im Hochgebirge. Von einem Österreicher, dem verstorbenen Oberstleutnant Walther Schaumann gibt es den mehrbändigen „Führer zu den Schauplätzen des Gebirgskrieges“. Mit vielen genauen Tourenbeschreibungen, Fotos und Skizzen – sehr detailliert! Walther Schaumann ist auch einer der Begründer der Organisation „Dolomitenfreunde“, welche sich der Erinnerung an den Gebirgskrieg widmet und alte Frontwege wiederherrichtet bzw. instandhält. Via della Pace – Friedensweg ist das Stichwort. Der Verein baut auch Bivacks und Schutzhütten und betreibt in Kötschach-Mauthen ein sehr sehenswertes Museum und zudem ein ausgedehntes Freiluft-Museum am Pöckenpass – kleiner Pal. http://www.dolomitenfreunde.at/Es gibt aber mittlerweile noch viel, viel mehr. Die hobbymäßige Beschäftigung mit alten Festungen, Kriegsbauten usw. ist ne richtige Mode geworden. mfG Rainer
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Vor der Hacke ist es dunkel. (Bergmanns-Spruch)
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