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#489111 - 09.02.2012 15:29
Re: huch,wie kann das nur sein.
[Re: RainerD]
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Pawlow
Registriert: 03.06.2005
Beiträge: 2026
Ort: Frankreich
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Der Wedding war mal ein roter Stadtteil von Berlin, wo die SA und sogar die Gestapo es schwer hatten. Heute wird der Wedding wie andere Teile von Berlin zur Brutstädte von prekären Lebensverhältnissen. Ferngehalten bzw. losgelöst von festen Arbeitsstrukturen erleben nicht nur die zahlreichen Migranten, sondern auch viele der traditionellen Bewohner des Wedding einen Deklassierungs-Prozess. Das ist etwas, das sich die Linke noch nicht richtig bewußt gemacht hat. Da ziehen nämlich dann die üblichen Strategien der Solidarisierung und Organisierung nicht mehr richtig. Und genau das ist auch ‚von oben‘ so gewollt durch den ungesteuerten Zuzug von migrantischen Hilfs- und Billiglöhnern. Zumal denen unsere demokratischen Prozesse, unsere Streitkultur und Partizipationsmöglichkeiten nicht nur fremd sind, sondern teilweise strikt abgelehnt werden. Eine solche Entwicklung (wenn nicht eingeleitet so aber doch stärkstens forciert übrigens von einem Bundeskanzler aus einer Partei mit einem S am Anfang) läuft daher den Interessen der Arbeiterklasse diametral zuwider. Da hat man es dann eben nicht nur mit der Ausbeutung von Oben zu tun sondern bekommt immer öfter auch mal von Unten gehörig auf’s Maul.
Nur mal so als linker Denkansatz.
mfG Rainer
Sehe ich nicht als "linken" Denkansatz, sondern als eine absolut generell zutreffende Analyse! Man kann sie uebrigens ohne Aenderung auf - z.B. Frankreichs Vorstaedte - uebertragen! Zunehmender Sozialabbau in gleichzeitig immer brutalerer "Markt"- Gesellschaft verduennen ausserdem ueberall den Mittelstand, der lange Zeit als Puffer wirkte. Man kann auch unmoeglich uebersehen, dass der Drogenhandel eine in der Oeffentlichkeit noch weitgehend unterschaetzte Bedeutung gewonnen hat. Z.B. Marseille in den Nord-Quartieren: Einerseits extreme Arbeitslosenquoten, andererseits einen florierenden Drogenhandel. Der oertliche Hauptdealer kommt z.B. auf ueber 100 000€/Monat. Er bezahlt eine Unterstruktur, in der ein 12-14 Jaehriger allein fuer's Schmiere-Stehen bis zu 400€ auf die Hand bekommt. Jeder in seiner Gruppe geht mit mehreren tausend € pro Monat nach Hause. - Soll mir mal einer erklaeren, wie man in einem solchen Umfeld - bei gleichzeitiger Wirtschaftskrise - dem Nachwuchs glaubwuerdig das Lied von "naehre dich redlich..." singen soll! Noch dazu in einer politisch aufgeheizten Gesellschaft, die nur noch Kohle als Argument fuer's richtige Leben gelten laesst! Das sind keine lokalen, sondern internationale Strukturen. Lokal ist nur der Endpunkt. Dort herrscht inzwischen ein permanenter Bandenkrieg, der regelmaessig etliche tote Jugendliche verursacht! Von toedlich, bis stoerend: seit der Goldpreis steigt, nehmen im gesamten Stadtbereich die Uberfaelle auf offner Strasse am hellen Tag zu. Eine echte Internationale der Brutalgangster (die sofort schiessen) und Kettchenreisser. Routinierte Gangsterchefs mit Tradition sind voellig von der Rolle und klagen, der junge Nachwuchs habe keinerlei Erfahrung und schiesse deswegen unverzueglich aus allen Rohren. (Kriegswaffen bekommt man seit den letzten grossen Konflikten man fuer 200-400€!)
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Ivan Petrovitch, Nobelpreis 1904 (Medizin, Physiologie)
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#489122 - 09.02.2012 16:06
Re: huch,wie kann das nur sein.
[Re: Maschtuff]
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Tim Bendzko 2.0
Registriert: 18.01.2009
Beiträge: 2555
Ort: was ist schon ein Wohnort
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Die Bankenkrise wäre ja mal eine gute Gelegenheit gewesen (um Ranx Bemerkung von der verspielten Chance nochmal aufzugreifen), um den internationalen Strukturen das Handwerk zu legen .. stattdessen lässt sich die Gesellschaft aber wieder umso mehr auf die nationalistischen Ressentiments ein und schwups ist aus der Bankenkrise in den Medien die Staatsschuldenkrise geworden.
"faule Griechen", das "schwache, undisziplinierte" Südeuropa im Vergleich zum harten stabilen Nordeuropa .. und alle saugen es begierig auf.
Dann kommt noch ein Doofkopf wie Sarrazin und erzählt mit falschen Daten und faschistischer Vererbungslehre von einfachen Lösungen und schon gedeiht was auf dem alten braunen Boden.
Die gleichen Sündenbock-Strategien, die gleiche Verdrossenheit, die gleiche Krise, sogar die gleiche Brüningsche Kaputtsparpolitik ..
es würde so manchem, der sich von der Nazikeule nicht beeindrucken lässt, gut tun, mal ein wenig Geschichte zu studieren.
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wenn man in diesem System für eine Leistung nichts zahlen muss, sollte man sich Gedanken machen, ob man wirklich der Kunde ist .. sehr wahrscheinlich ist man das Produkt.
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#489135 - 09.02.2012 16:53
Re: huch,wie kann das nur sein.
[Re: Sigi_H]
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Pawlow
Registriert: 03.06.2005
Beiträge: 2026
Ort: Frankreich
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Die Bankenkrise wäre ja mal eine gute Gelegenheit gewesen (um Ranx Bemerkung von der verspielten Chance nochmal aufzugreifen), um den internationalen Strukturen das Handwerk zu legen .. stattdessen lässt sich die Gesellschaft aber wieder umso mehr auf die nationalistischen Ressentiments ein und schwups ist aus der Bankenkrise in den Medien die Staatsschuldenkrise geworden.
"faule Griechen", das "schwache, undisziplinierte" Südeuropa im Vergleich zum harten stabilen Nordeuropa .. und alle saugen es begierig auf.
Die gleichen Sündenbock-Strategien, die gleiche Verdrossenheit, die gleiche Krise, sogar die gleiche Brüningsche Kaputtsparpolitik ..
es würde so manchem, der sich von der Nazikeule nicht beeindrucken lässt, gut tun, mal ein wenig Geschichte zu studieren.
Die Crux ist: eigentlich will ja niemand etwas aendern, solange er - in einer Illusion von Meinungsfreiheit - verbal um sich schlagen und leichtgaengige Schuldzuweisungen (moeglichst aber im Rahmen der Gesetze) verteilen darf. Es wird sich nicht mehr so ereignen, wie damals. Auch deshalb ist es wichtig, die Geschichte zu studieren, denn die Ziele moegen sich geaendert haben, aber die Methoden bleiben! Und genau dazu gehoert - wie Du auch schreibst - , dass die allgemeine Unzufriedenheit geschuert wird und dieser dann wohlfeile, leichverstaendliche "Gruende" zum Frass vorgeworfen werden. Nur auf diesem Klein-Klein-Untergrund von Verdrossenheit und Hass laesst sich unkontrolliert die Macht festigen. Nirgends laeuten die Glocken von Freiheit und Demokratie schriller als da, wo der Abstand zur Willkuer immer kleiner wird! Das Volk ist in einem Kreislauf von Ohnmacht gefangen, wird wie ein Ochse im Kreis gefuehrt - "und rings umher liegt gruene, frische Weide"! Aber eben nicht fuer sie! Viele reden von Vt's, raunen von Weltherrschaft - als stuende sie erst noch bevor. Der Zug ist aber laengst unterwegs und inzwischen stehen die Signale auf Gruen. Die Politik hat den Loeffel abgegeben und die Finanzwelt hat dankend uebernommen! Ich weiss nicht, wer von Euch diese Schmierenkomoedie (Interview genannt) gesehen hat, in der die hoelzerne Frau Angela und der edle Schmeichler Sarko um Europa barmten und doch nur das Ihre meinten! Schlimm ist: es wird immer banaler. Und doch taeuschen sie sich nicht, denn das Volk ist mit seinen Gedanken anderswo und schon dankbar, wenn es nur ewig unterhalten wird!
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Ivan Petrovitch, Nobelpreis 1904 (Medizin, Physiologie)
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