Hallo Leute,
nachdem ich bisher immer nur mitgelesen habe, kann ich heute
vielleicht auch etwas beitragen.
Ich hatte das Problem mit der Frontscheibe meines Citroen
Jumpers, nachdem ich diese mit einem Schwamm gesäubert hatte.
Leider hatte sich anscheinend von mir unbemerkt ein kleines
Steinchen reingesetzt und die Scheibe zerkratzt.
Die Kratzer waren zwar nicht sehr tief, doch beeintraechtigten
sie bei Gegenlicht doch sehr die Sicht. Da es sich nicht um
einen Steinschlagschaden handelte konnte ich es ja schlecht
meiner Teilkasko aufbürden.
Die Recherche:
Also mal im Netz gesucht, sollte ja ein gängiges Problem sein.
Ich habe dabei zwar viele Auto- und auch Aquarienforen
gefunden, in denen dieses Problem diskutiert wurde, doch
überraschenderweise in der Regel ohne Lösung!
Dann bin ich auf die Firma ProGlass (
www.proglass.de)
gestossen, die als Zuliefer für Autowerkstätten und
Autoglaser auftritt.
Dort habe ich eine wasserlösliche Glaspolitur gefunden, die es
als 250ml Lösung (GPF-250, 10,90 netto) oder in Pulverform
(GP-1000) zum selber anrühren gibt (ich habe mit der Firma
aber sonst nichts am Hut!).
Das ganze hat in etwa die Konsistenz von Schlemmkreide, die
sich womöglich auch eignen würde. Das eigentliche Poliermittel
ist wahrscheinlich irgendein Oxid.
In verschieden Foren wurde auch Zahnpasta genannt, die ja auch
Poliermittel enthalten. Für eine größere Fläche eignet
sich Zahnpasta aber wohl nicht, vielleicht für ein Uhrenglas.
Die Lösung:
Ich bin dann mit der 250ml Lösung, einem
Klett-Bohrmaschinen-Polieraufsatz und einem Polierschwamm
(Durchmesser 180mm) zu Werke gegangen. Eine Poliermaschine
würde wohl auch gehen, doch haben die i.d.R. zu hohe
Drehzahlen, was die recht flüssige Politur noch weiter in der
Gegend und auf den Polierer verteilt. Optimal sind so um die
1000 U/min. Man braucht größere Mengen als bei einer
Lackpolitur, doch hat bei meiner Frontscheibe etwa die halbe
Flasche gereicht. Insgesamt ist es aber eine ziemliche
Rumspritzerei!
Zunächst mal die Scheibe nochmal gründlich gesäubert (aber
diesmal ohne Steinchen im Schwamm) und dann den Polierschwamm
getränkt und poliert, poliert, poliert.......
Schon nach etwa einer Stunde mit langen Armen in äußerst
entspannter Haltung auf der Stoßstange stehend (wobei ich
zwischendurch den Glauben auf Erfolg schon fast verloren
hatte) war das Ergebnis doch verblüffend. Die Scheibe sah
fast wieder aus wie neu.
Wichtig ist dabei die Scheibe bzw. die Politur zwischendurch
immer wieder mit Wasser zu benetzen (z.B. aus einer
Blumensprühflasche) und gegebenenfalls Politur nachzugeben.
Um den Erfolg zu pruefen muss die Scheibe wieder gründlich
gereinigt und getrocknet werden, sonst sieht man die Kratzer
nicht. Bei mir hat es drei Durchgänge gedauert.
Anfangs sieht es so aus, als ob sich nichts ändert, doch
braucht es einfach Ausdauer (und danach ein Besuch in der
Dusche und in der Waschanlage).
Es empfiehlt sich den Rest des Autos abzudecken, da sich die
Politur im getrockneten Zustand besonders von Kunstoffteilen
nur schlecht wieder abwaschen lässt.
Fazit:
Es lassen sich Kratzer mit Tiefen von einigen Mikrometern gut
auspolieren. Die Tiefe läßt sich abschätzen, wenn man die
Kratzer bei Sonneneinstrahlung in Reflexion betrachtet.
Erscheinen die Kratzer aufgrund der Interferenz
des Lichtes farbig, so ist die Tiefe nur im
Mikrometerbereich. Bleibt man mit dem Fingernagel an den
Kratzern hängen so sind sie wahrscheinlich
zu tief um sie auszupolieren.
In verschiedenen Foren wurden Bedenken geäußert, dass man
sich Wölbungen in die Scheibe poliert, welche die Durchsicht
verzerren. Dies kann nach einer einfachen Abschätzung völlig
ausgeschlossen werden, selbst wenn man mit dem Polierschwamm
nur an einer Stelle polieren würde.
Abschätzung:
Die Brennweite einer plankonvexen Linse beträgt f=(n-1),
wobei R der Krümmungsradius und n der Brechungsindex des
Glases ist (etwa n=1,5)
Den Krümmungsradius kann man mit R=r^2/2x abschätzen,
wobei r der Radius des polierten Kreises und x die maximale
Poliertiefe (in der Mitte) ist.
Für x=10 Mikrometer und r=100 mm ergibt sich R=500 m und
damit eine Brennweite von f=1000 m bzw. eine Brechkraft von
1/1000 Dioptrien. Also wirklich vernachlässigbar.
Denjenigen möchte ich sehen der solange durchhält bis er
sich eine wahrnehmbare Linse in die Scheibe poliert !!!
Nun kann ich nur noch viel Erfolg und Ausdauer beim polieren
wünschen!