Ich fahre seit 20 Jahren nach Sardinien.
Damals gab es noch viele Strada bianca, ungeteerte Wege und Eselspfade. Die Itailener sind sehr gute Strassenbauer und so hat man auf Sardinien heute ein sehr gutes prima geteertes Strassennetz.
Abseits der Hauptstrassen gibt es immer noch sehr viele Verbindungswege durch die Berge, die oftmals bei kleinen Bauernhöfen und Käsereien enden und sich meist weit verzweigen.
In der Regel sind die Wege ohne Verbotszeichen oder den Hinweis auf Privatbesitz. Manchmal sind Tore nur mit einem Riegel gesichert, oder ein provisorischer Zaun hängt über dem Weg.
Diese kann man dann befahren, aber unbedingt wieder verschliessen, denn es geht um die Sicherung von Weidevieh.
Wenn das auf die Strasse rennt und es kommt zu einem Unfall, hat der Bauer Probleme, denn an den Barcodes, die fast jedes Tier hat, ist der Besitzer eindeutig auszumachen.
Trifft man in den Bergen auf Bauern, bietet sich ein Gespräch, oder die Nachfrage nach einem Ziel an. Keiner hat gerne hochmütige Touris auf seinem Besitz rumfahren. Also Respekt, Interesse und Höflichkeit zeigen.
Erstaunlich viele Sarden können etwas Deutsch, da sie oftmals als Gastarbeiter mal hier waren. Etwas italienisch zu können ist ein klarer Vorteil.
In der Regel reagieren die Sarden sehr freundlich und geben gerne etwas von ihrem Obst, Wein oder Käse ab.
Man kann auch danach fragen, denn frischer als direkt beim Erzeuger bekommt man es nicht,...
Im August sind auch schon an vielen Stellen die sehr leckeren wilden sardischen Birnen, (nur etwa so gross wie eine Kiwi) reif, die überall entlang der Strasse stehen. Ideal ist ein hohes Fzg. mit begehbaren Dach, denn die leckersten Birnen hängen sehr weit oben,...
Wege zum Strand (der generell nicht befahren werden darf) finden sich viele und sie sind in sehr unterschiedlichem Zustand. Die Einheimischen sind schmerzfrei und fahren auch mit normalen Pkw auf Pisten, die wir für unbedingt 4x4 würdig halten.
Gerade im Hochsommer sind viel Wege stark durch die sehr harten und dornigen Büsche eingeengt. Kratzer sind also nicht zu vermeiden. Der Untergrund ist meist felsiger scharfkantiger Schotter.
Für längere Offroad Touren ist das Genargentu Gebirge und der Südwesten ganz gut geeignet.
Leider sind in den letzten Jahren viele schöne Strände besonders im Norden der Insel,"vermarktet" worden. So findet sich am Ende mancher Wege ein Parkplatz mit Gebühr, obwohl das rechtlich eigentlich nicht so ganz eindeutig ist, denn jeder Bürger hat das Recht auf freien Zugang zum Meer.
Siehe z.B. hier:
http://www.abendblatt.de/daten/2007/06/02/749288.htmlMan kann mit den meist jugendlichen Parkaufsehern diskutieren, aber möchte man dann sein Auto unbeobachtet ein paar Stunden alleine lassen ? Lieber eine Bucht weiter fahren oder einen Abzweig nehmen, da ist es dann genauso schön und ruhiger.
Die Arbeitslosigkeit ist recht hoch und jeder möchte etwas mitverdienen am Tourismus.
Ich empfehle auch die Versorgung mit Lebensmitteln vor Ort, denn die Grundnahrungsmittel sind sehr günstig. Es lohnt nicht, alles aus dem Aldi etc. mitzunehmen und ist auch unfair, denen gegenüber, die vom Tourismus leben.
Über Strecken und Wege kann man bei Google Earth ganz gut fündig werden. Am besten mal eine Tour ausarbeiten und dann schauen, wo sich Strässchen offroad "abkürzen " lassen.
Ach ja, und nicht unterschätzen, die Insel ist riesengross und man kann in drei Wochen niemals alles zu sehen kriegen.
Dafür braucht man echt Jahre. Am besten eine Ecke aussuchen und dann nächstes Jahr wiederkommen.
Die Linea dei Golfi, bei der man an Bord Campen kann, ist übrigens von der Moby Lines aufgekauft worden. Die Schiffe existieren aber noch und sind jetzt bei Moby zu buchen.
http://www.moby.it/cms/export/de/index.htmlAb Genua, Livorno oder Piombino nach Olbia oder Porto Torres mehrmals die Woche. Früh buchen lohnt sich.
Viel Spass, bin in den ersten drei Juliwochen auch wieder unten,...