Hallo „Steinewerfer“,

ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, was ich persönlich direkt nach dem RAF-Mord am Generalbundesanwalt Buback, an dem Brigitte Mohnhaupt auch beteiligt war, empfunden habe.

Und als dann an der Uni sein Nachruf, verfaßt vom Mescalero in Göttingen kursierte, traf das damals ziemlich genau meine damalige Stimmungslage. Klammheimliche Freude (über die Eliminierung des verhassten Klassenfeindes) gepaart mit analytischer Ablehnung der Methodenwahl.

Das war vor 30 Jahren und schon lange bin ich von dieser Schizophrenie geheilt.

Bei Dir allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Du nichts dazu gelernt hast. Schon Deine Wortwahl läßt entsprechende Rückschüsse zu.

- Die Thematik ist für Dich wohl wichtig. Einzig und allein deshalb hast Du Dich ja in diesem Forum registriert. Trotzdem zeugt es von hoher Mißachtung aller Direkt-Betroffenen des historischen Mordgeschehens und aller Beteiligten an diesem engagiert geführten Forums-Thread.
Sonst könntest Du das in Deinem Eingangssatz nämlich nicht als bloßen „Scheiß“ bezeichnen. („Lang hab ich mir überlegt ob ich zu diesem Scheiß was schreiben soll“) – oder bist Du im Forum schon unter anderem Namen aktiv, möchtest Dich bei diesem Thema aber nicht verbrennen?

- „Wißt ihr eigentlich, wer die R.A.F. war...“ – Ja, Herr Oberlehrer! Wir hören andächtig zu..., gelle?

- Daß „FRAU SCHLEYER“ (von Dir in dieser Schreibweise hervorgehoben) nicht Opfer, sondern Täter ist, empfinde ich als besondere Perfidie: sie trüge also die Verantwortung dafür, daß einer der Mörder ihres Mannes demnächst nicht unter südlicher Sonne bei den Genossen der Brigate Rosse weilen kann, um ein wenig frische Farbe zu gewinnen. Was für ein Mimöschen ...

Zum Inhaltlichen / Politischen:

Du schreibst: „Sie fands wahrscheinlich besser daß ihr Mann für den Tod 1000er Leute verantwortlich war...“
Dies ist ihr gegenüber eine beleidigende Unterstellung und ihm gegenüber eine unbewiesene Beschuldigung.
Bernt Engelmann, den ich übrigens ansonsten sehr schätze, hat einst eine solche Mutmaßung aufgestellt, ist aber den Beweis schuldig geblieben.

Hartz 4, Schleyer, BenQ, Siemens, Ossis, Schweiz, Nationalismus, Armut, kriminell, NAZIS, bescheißen, Kindermörder, Volk, Mißstände, Judengeld, BAU, Sozialschmarotzer, Waffen, Banker, pervers, Vanilleeis etc. - allessamt Themen, Begriffe und Worthülsen aus Deinem verbalen Rundumschlag. Alles in einen Topf und herumgerührt.
Zwischen allem und jedem läßt sich argumentativ eine gewünschte Beziehung aufbauen. Das ergibt jedoch noch lange keine schlüssige Argumentation und ein politisches Konzept, das vermittelbar wäre.
Daran ist letztlich auch die RAF gescheitert.

Zum Abschluß noch ein Äpfel-/Birnenvergleich. Einfach nur so zum Nachdenken. Rudolf Hess hat 46 Jahre lang in Berlin im Gefängnis gesessen (davon mehr als die Hälfte in Einzelhaft) und ist dort im Alter von 93 Jahren gestorben – durch Selbsttötung. Ihm ist keine Gnade gewährt worden.

Persönlich bin ich der Auffassung, daß Brigitte Mohnhaupt entlassen werden sollte, um so eine Inhumanität wie im Fall Hess zu vermeiden und einer Märtyrer-Bildung (wie im Fall Hess geschehen) vorzubeugen. Irgendwann hat die Strafe keine Funktion mehr bzw. entfaltet eine gegenteilige Wirkung.
Ob allerdings der jetzige Zeitpunkt bereits der richtige für eine Freilassung ist – ich bezweifele es.

Und nein, ich hab zwar schon lange keine Sympathien mehr für die RAF aber deshalb bin ich auch nicht zum Nazi mutiert wie Horst Mahler.

mfG

Rainer


Vor der Hacke ist es dunkel. (Bergmanns-Spruch)