Da ist man mal 2 Tage außer Haus, sogar in Italien um u.a. ein Treffen der BREMACH Gemeinde im Werk, plus Superfutter in der „werkseigenen“ Osteria für 2008 zu organisieren und hier regen sich ketzerische Elemente, die an der reinen (Fahrwerks)Lehre rütteln und wie weiland Martin Luther fremdartige Thesen artikulieren. Ist ja fast ein Fall für die ital. Inquisition (und das bei einem deut. Papst.)
Die Kritik an den BREMACH Federn ist natürlich berechtigt, aber wie so oft gibt’s auch dafür einige Hintergrundgeschichten:
1. Die aktuelle Länge der (recht kurzen) Blattfedern sorgt trotz Parabelform für eine relativ hohe Eigensteifigkeit, für die es ein großes Losbrechmoment braucht, vor allem wenn jemand ein 6,0 Ton Fgst. mit Bereifung 225/75 R17,5 ohne jeglichen Aufbau fährt.
2. Die Länge der aktuellen Blattfedern resultiert aus einer Forderung eines ital. Großkunden in den 80 igern, beim Kastenwagen einen möglichst kurzen hinteren Überhang zu realisieren. Dazu brauchts aber kurze Federn, die aber leider auch die obigen Eigenschaften haben. Damals waren es noch bis zu 11-lagige Federpakete, was meint Ihr was das erst für ein Spass war
3. Wir können natürlich auf der Vorderachse eine 2 blättrige Version montieren, in Italien verwendet man beim 3,5 Tonner sogar eine Einblattfeder mit einer Zusatzfeder. Das ist toll auf der Straße, aber furchtbar im Gelände wenn dann leichte Sprünge dazukommen (Katapulteffekt). Aber ich habe natürlich immer im Hinterkopf das die meisten meiner Kunden zwar die Absicht bekunden Aufbauten möglichst leicht zu gestalten, in der Praxis dann aber öfters mit dem Gewicht übers Ziel schießen. Und diese „leichten“ Differenzen, die schon mal bei 500-1000 kg liegen können, müssen wir irgendwie abdecken. Hinzu kommt, daß ich auf alle Fälle Federnbrüche auf Fernreisen vermeiden möchte, daher entsprechende Sicherheitsreserven vorsehe.
4. Wir können auch nach erfolgtem Auf( bzw. Aus)bau, des Fahrzeuges das komplette Federsystem (selbstverständlich kostenlos) adaptieren und dann an die vorliegenden Achslasten anpassen.
Weil nun der BREMACH anfangs als Straßen-Lkw mit Allradantrieb konzipiert wurde und so auch in Italien bis heute hauptsächlich eingesetzt wird, war das nie ein großes Problem. Auch fehlten bisher z.T. die techn. und finanziellen Möglichkeiten um dies fundamental zu ändern.
Mit der Gründung der Prodegroup (
www.prodegroup.it) 2003 zeigt sich jetzt ein Silberstreif am Horizont. Um Euch nur einen Begriff vom dem techn. Knowhow bzw. Potential zu vermitteln das Bremach mittlerweile zur Verfügung steht: Ca. 50% aller Ingenieursstunden die FIAT Auto außerhalb der eigenen Entwicklungsabteilung durchführen lässt erfolgt bei der BREMACH-Schwester DARMAK, einer der 3 Firmen der Prode group. Also für die Marken FIAT, ALFA, FERRARI, MASERATI, IVECOtrucks, ASTRA und FPT. Des weiteren CARRARO, SAME, VOLVO trucks und noch etliche andere.
Tatsächlich sind die Änderungen die insbesondere seit 2005 an den BREMACH Fahrzeugen durchgeführt wurden aus meiner Sicht fundamentaler als in den 8 Jahren zuvor, nur nicht unbedingt von aussen sofort sichtbar. Das Problem ist nur, das ganze sollte auch verdient werden, was angesichts einer Produktion von 300 Fahrzeugen im Jahr nicht so einfach ist.
Eine der Baustellen ist das Fahrwerk, und da kommt jetzt mein gestriger Besuch im Werk und die 2. BREMACH-Schwester ins Spiel, Valsella Mechanica. Bei der wurde Interesse für den Einsatz des BREMACH im militärischen Bereich angemeldet und dafür wurden gestern die ersten Detailgespräche geführt, wo auch unser Fahrwerk für den „high mobiliy use in rough terrain“ unter die Lupe genommen werden muß. Nun hab ich „leider“ das Pech der einzige zu sein der im Bekanntenkreis des PRODE Bosses Erfahrungen mit dem BREMACH im „High mobility use in rough terrain“ hat und bin nun seit gestern auch noch freier Prode Mitarbeiter und zuständig für die BREMACH Fahrerprobung für oben genanntes „terrain“. (Anm.: Ich hab dabei nur mal wieder zu spät geschnallt daß ich den Job krieg wo man am meisten dreckig wird).
Auf alle Fälle wird jetzt u.a. mit professioneller Hilfe von Darmak am Federungs und Stoßdämpfersystem gearbeitet. Die für obiges Projekt genannten Vorgaben liegen genau indem Gewichtsniveau wo sich die meisten Fernreisekunden bewegen und ich denke daß wir bis Mitte 08 bei den Federn und speziell bei den Stoßdämpfern einiges an Verbesserungen erhalten die wir auch bei aktuellen Fahrzeugen nachrüsten können, sollte da Bedarf herrschen.
mfg, Erich