Zurück. Leider.
Temperaturschock von Borma mit mir angenehmen 45°C zu eiskalten 0°C hier am Fensterbankerl.
Kulturschock von der mir angenehm menschlichen afrikanischen Mentalität zur egozentrischen europäischen.
Die partielle Sonnenfinsternis am 3.10. war bei wolkenlosem Himmel perfekt zu beobachten. Bei Maximalabdeckung rollte ein konzentrischer "Ring of Fire" über den Himmel. Im Dünenambiente südlich von Douz schwiegen plötzlich die sonst immer zwitschernden Wüstenlerchen im Halbdunkel des Himmels. Ein Perlschnureffekt, erzeugt durch die Mondberge, blitzte sekundenlang bei Berührung des Mondes an den Sonnenrand auf, als er gerade wieder aus der Sonnenscheibe auswanderte. Mal sehen, ob die Fotos geworden sind.
Der Sand war diesmal sehr weich, oft kaum noch fahrbar, die Richtung der Sandstürme in den hohen Dünen hat in diesem Jahr anscheinend von der Hauptwindrichtung aus Ost auf die Richtung aus Süd-Südost gewechselt. Die Nord-Nordwestseiten der Dünenberge waren wie aus Puder. Das ändert sich derzeit erst weit im Süden. Aber da wollte ich ja sowieso hin.
Ein tödlicher Unfall eines Schweizers in den südlichen Dünen überschattete die Ausfahrt. Ein abends nicht eingelegter Gang und die nicht angezogene Handbremse waren die Ursache. Morgens fing das Auto im Wind an, bergab zu rollen, er sprang aus dem Dachzelt und wurde vom Fahrzeug überrollt. Er starb nach zweieinhalb Stunden an den inneren Verletzungen. Ich kam "zufällig" (gibt's das überhaupt?) vorbei und konnte der damit führer- und orientierungslosen Gruppe helfen. Die tunesischen Militärbehörden haben sich sehr korrekt und hilfsbereit verhalten.
Trotzdem das Schiff mit allerlei Volks voll geladen war, habe ich doch kaum jemanden auf meinen Wegen getroffen. Eine positive Ausnahme: Unser Forist @Ölfinger. Danke Dir für das gute Gespräch.
Meine Kleidersammlung habe ich im
SOS-Kinderdorf von
Mahrès (N34°31'37" E10°30'16") abgeliefert, ich kann dies nur jedem zur Nachahmung empfehlen. Dort sind keine verwöhnten Fratzen, sondern richtig gut erzogene Kinder ohne Eltern. Man tut dort wirklich etwas für die elternlosen Kinder, sie gehen auch in die Schule. Ich hab es zwar schon beschrieben, aber hier nochmal: von Sfax kommend am Ortseingang von Mahrès gleich links. Da wo die Schienen der Eisenbahn gekreuzt werden, sofort links zurück auf dem Sandweg parallel zum Gleis. Dann noch 100 m. Ein Wächter sitzt am Eingang der gepflegten Anlage, tags und nachts kann man da etwas abgeben. Mir ist dieser direkte Weg lieber als eine anonyme Spende.
Irgendwie fällt es mir immer schwerer, mich hier in diesem Lande wieder einzufädeln. Hier stimmt etwas nicht mehr.
Südliche Grüße.