@Wildwux:
Gruselig? Ja schon, weil die Medaille war ja an die Gegenseite gerichtet und sollte Angst machen. Ausdrücklich dem französischen General Petain und den Alliierten gewidmet, sollte die Medaille die Botschaft überbringen „Seht her, wie wir euch das Blut abpumpen.“
Die Franzosen ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Sie setzten der Blutpumpe der Deutschen die französche Noria (von der Wortbedeutung her eigentlich ein Wasserschöpfrad bestehend aus Eimern und Seilen) entgegen.
Ununterbrochen fuhren in einem Takt von 14 Sekunden achttausend LKWs an die Front – über eine Entfernung von 60 km. So konnten pro Woche etwa 100 000 Soldaten und 50 000 Tonnen Munition und Kriegsmaterial an die Front transportiert werden und auf der Rückfahrt die verletzten Soldaten und abgelösten Einheiten mitgenommen werden.
Das System wurde auch Paternoster genannt und dadurch haben die Franzosen immer wieder frisches Blut bekommen. Sozusagen mittels Schöpfrad-Paternoster eine permanente Bluttransfusion, wenn das Bild in diesem Zusammenhang nicht zu makaber ist.

mfG
Rainer

P.S. Als ich dort war, hat es zeitweilig richtig geschüttet. Landregen. Bei solchem Wetter ist dann abseits der Besucherschwerpunkte keine Menschenseele und man kann sich ungestört seinen Empfindungen hingeben.
Ich persönlich habe draußen auf den Schachtfeldern, inmitten der Wiesen und Felder, denen man die schreckliche Vergangenheit ja nicht mehr ansieht, eigentlich nur tiefe Trauer empfunden.
Bei der Besichtigung des riesigen Forts Douaumont hingegen muß ich gestehen, kam bei mir mehr ein technisches Interesse auf. Wie das Fort angelegt ist, wie seine Infrastruktur beschaffen war, wie man darin monatelang leben kann, wie so ein Bau überhaupt eingenommen werden kann usw.
Aber richtig Grusel kann man sehr wohl im Museum bekommen, wenn man sieht mit welcher Perfidie die Militärs ihre Tötungsmaschinerie perfektioniert hatten. Wenn man z.B. die verschiedenen Sorten von Stacheldrahtverhau und gleichzeitig die unterschiedlichsten Drahtscheren zur Beseitigung der Hindernisse vergleichen kann.
Wenn man sieht, wie das Symboltier des Friedens, die Taube, zur Informationsübermittlung eingesetzt wurde. Oder wenn als Pervertierung der Ingenieurskunst und des Inbegriffs menschlicher Freiheit und Sehnsucht, es dem Vogel gleichzutun, Fesselballons zur Präzisierung des Artilleriefeuers in die Luft gelassen wurden. Der Traum vom Fliegen – an die Leine genommen. Die Balloninsassen feindlichen Fliegern und Scharfschützen hilflos ausgeliefert ohne die geringste Fluchtmöglichkeit.
Wenn man sieht, wie durch Gas erblindete Soldaten in schier endloser Reihe nach hinten geführt werden. Wenn man Fotos von Granattrichtern sieht, deren Inhalt einfach unbeschreiblich ist...





Vor der Hacke ist es dunkel. (Bergmanns-Spruch)