Ich habe hier ein paar Wortmeldungen gelesen, die es verdienen, gepostet worden zu sein! Und das ist hinreichend selten, weshalb es hiermit hervorgehoben sei!

Es gibt ein Datum des Abschlachtens im 1.Weltkrieg, welches zu beiden Seiten des Rheins nie wirklich ins oeffentliche Bewusstsein gelangt ist, obwohl hier schlagartig der Wahn dieses Krieges deutlich wurde. Und vielleicht erklaert sich dies eben durch die nackte Wahrheit, die in "heroischen" Zeiten den Herren der Konflikte ein stoerendes Detail bei der Durchfuehrung ihrer Verbrechen ist!
Ich spreche vom Morden am "Chemin des Dames", Picardie! Im April 1917 traten dort franzoesische Truppen zur Offensive gegen deutsche Linien an. Die Front, beginnend bei der Ortschaft Craonne, betrug nur ca. 25-30 km. Es sollte eine Blitzoffensive werden und der verantwortliche General Robert Nivelle erklaerte vorher: "Wir werden in wenigen Stunden in der Lage sein, die Front aufzubrechen und bis zu 10 Km tief vorruecken! Wenn dieser Durchbruch nicht sofort gelingt, stoppe ich die gesamte Operation in 48 Stunden!"
Er stoppte nichts - und zehn (!) Tage spaeter waren seine Truppen ganze 500m vorgerueckt. Eine Welle nach der anderen schickte er seine Soldaten in ein ununterbrochenes Attellerie-Feuer. Laengst war auch den Offizieren klar geworden, dass es hier nicht mehr nur um einen - militaerisch ohnehin weitgehend sinnlosen - Gelaendegewinn ging, sondern um die Sturheit eines Generals, der einem persoenlichen Erfolg nachjagte. 30 000 Poilus waren tot!!
Dieses Massaker sprach sich schnell herum und hatte die ersten Meutereien zur Folge. Meutereien nicht im eigentlichen Sinn, denn nie wurden die Waffen gegen eigene Offiziere gerichtet - einfach nur Mutlosigkeit und tiefe Zweifel am Sinn der Kriegsfuehrung. 3500 Poilus wurden deshalb insgesamt an den Fronten vor Militaergerichte gestellt und verurteilt; die Zahl der Exekutionen ist umstritten, man spricht von 600.
Zur Abschreckung wurden jedenfalls in Schnellverfahren 60-70 Soldaten sofort erschossen. Nicht etwa, wegen nachgewiesener Vergehen, sondern, wie es hiess: "fusillés pour l'example"!
Nivelle wurde nie zur Rechenschaft gezogen, sondern zu den Truppen nach Afrika versetzt!
Damals entstand ein Lied, dessen Urheber von der Militaerfuehrung unter Auslobung einer sehr hohen Geldsumme fieberhaft gesucht wurde - umsonst! Es ist ein erschuetterndes, duesteres Abschiedslied der Poilus ans Leben, mit einer letzten Auflehnung gegenueber denen, die sie in einen sinnlosen Tod schicken. Wer es einmal - selbst heute ! - gehoert hat, wird es nie vergessen koennen, denn diese Worte und die Melodie treffen pfeilgenau ins Herz.
Ich finde nur eine sehr unzureichende Uebersetzung, die auch nicht annaehernd die Kraft des Originals hat. Deshalb hier nur in franzoesisch:
Chanson de Craonne:
Quand au bout d'huit jours, le r'pos terminé,
On va r'prendre les tranchées,
Notre place est si utile
Que sans nous on prend la pile.
Mais c'est bien fini, on en a assez,
Personn' ne veut plus marcher,
Et le coeur bien gros, comm' dans un sanglot
On dit adieu aux civ'lots.
Même sans tambour, même sans trompette,
On s'en va là haut en baissant la tête.
Refrain:
Adieu la vie, adieu l'amour,
Adieu toutes les femmes.
C'est bien fini, c'est pour toujours,
De cette guerre infâme.
C'est à Craonne, sur le plateau,
Qu'on doit laisser sa peau
Car nous sommes tous condamnés
C'est nous les sacrifiés !
C'est malheureux d'voir sur les grands boul'vards
Tous ces gros qui font leur foire ;
Si pour eux la vie est rose,
Pour nous c'est pas la mêm' chose.
Au lieu de s'cacher, tous ces embusqués,
F'raient mieux d'monter aux tranchées
Pour défendr' leurs biens, car nous n'avons rien,
Nous autr's, les pauvr's purotins.
Tous les camarades sont enterrés là,
Pour défendr' les biens de ces messieurs-là.
au Refrain
Huit jours de tranchées, huit jours de souffrance,
Pourtant on a l'espérance
Que ce soir viendra la r'lève
Que nous attendons sans trêve.
Soudain, dans la nuit et dans le silence,
On voit quelqu'un qui s'avance,
C'est un officier de chasseurs à pied,
Qui vient pour nous remplacer.
Doucement dans l'ombre, sous la pluie qui tombe
Les petits chasseurs vont chercher leurs tombes.
Refrain
Ceux qu'ont l'pognon, ceux-là r'viendront,
Car c'est pour eux qu'on crève.
Mais c'est fini, car les trouffions
Vont tous se mettre en grève.
Ce s'ra votre tour, messieurs les gros,
De monter sur l'plateau,
Car si vous voulez la guerre,
Payez-la de votre peau !
(Die letzte Strophe in deutsch:
"Die, die die Kohle haben, sie kommen zurueck (nach Hause)
denn fuer sie krepieren wir;
Aber jetzt ist Schluss, denn die einfachen Soldaten
werden alle streiken.
Nun kommt eure Zeit, ihr dicken (wichtigen) Herrn,
auf das (Schlacht-)Feld zu steigen,
denn, wenn ihr den Krieg wollt,
dann bezahlt ihn mit eurer eigenen Haut!")
P.S. Geschrieben wurde das Lied 1917 - fuer die Oeffentlichkeit verboten war es bis 1974!