Ein einigermaßen fragwürdiger Text mit seinen ärgerlichen Identifikationen — bis einem Insinuationen quasi gegenläufiger Tendenzen aus dem christlichen Aberglauben dann geradezu die Schuhe ausziehen, und die Vorstellung des Rauf Ceylan durch den Kriminologen als türkischstämmigen Religionswissenschaftler anstatt jemanden mit einer validen Untersuchung nochmal den Atem anhalten läßt.
Wer sich bewegte Christen ansieht, sieht in Wirklichkeit den Gleichschritt. Von blankem Regreß totaler Entgrenzung mit Phantasien von Zwangsjacken, Tortur und Lobotomie zur Schaffung des neuen Menschen — in Farbe, online und ansatzlos direkt zu erfahren — bis zu Erörterungen von Heilungen (die Verfahren gegen die Polizei — und evtl. auch welche aus den postwendenden Gegenanzeigen — sind teils wohl noch anhängig), zu Abtreibungsfeindlichkeit und sonstwo mitten in kontemporären Gewaltbetrachtungen hin.

Aber solche sind auch so wenig Aufgabe des Kriminologen wie Betrachtungen von Polizeigewalt. Kriminologie findet ihr Objekt und ihre Delinquenten gerade noch auf dem Schulhof — als ziemlich letzter offener Schnittmenge mit dem bürgerlichen Revier.

Nur stört auf dem Schulhof wie überall im Zweifelsfalle am wenigsten wirklich die Zugehörigkeit zum geringfügig anderen der beiden widerwärtigen Aberglauben des Buches. So valide Ceylans Untersuchung sein mag, und so drängend die Notwendigkeit, die Aberglauben einzudämmen und abzuschaffen — so wenig bezeichnend sind wieder die herangezogenen Korrelationen und so wenig zulässig die Konnotationen im Text.
Kommt aus einer fernen Hinterwelt mal in Herausforderung des deutschen Kriminologen, Kriminalers oder weiß der Teufel, welchen Problemes, ein Papa mit "Anhang", dann kommt er zuerst mit herausfordernden Familienvorstellungen, Identitätsanliegen, Autoritätsmodellen, Geschlechterkonzepten,,, und Ehrversessenheit, bevor seine "Religion" nachzieht, auf daß der Pfeiffer sie verwurste.
Ebensogut auch mal nichts dergleichen — und stattdessen seinem schwulen Sohn, dem ein Rußlanddeutscher entlang seiner Homophobie, seines Wir + Ihr, welches er mit seinem großwestdeutschen Nachbarsjungen gemein hat, oder sonst einer kriminologisch weniger interessanten Deformation das Licht ausbläst oder den Stengel verbiegt oder die für jüdisch erklärte Nase zum Kick über einem Bordstein zurechtlegt. Was nicht wenig Blaulichttüterschaft freilich immer unvergleichlich viel besser affirmiert, wenn nicht antizipiert, als so ein Bewahrungs- und Bewachungsverständnis zugunsten geschwisterlicher, aber weniger neudeutscher Unbeflecktheit, u.ä.