Eine ungebremste Zuwanderung führt zwangsläufig zu einem Anwachsen von sozialen Spannungen und Fremdenfeindlichkeit. Hier die sich bedroht fühlenden ‚Einheimischen‘ – dort die sich stigmatisiert sehenden ‚Fremden‘. Fremdenfeindlichkeit versus Deutsch(en)feindlichkeit.

Und die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich wird nicht nur zementiert, sondern weiter vertieft. Wer es sich leisten kann, zieht in eine ‚bessere‘ Gegend oder sogar in einen geschützten Bereich. Ja, die gibt es mittlerweile nicht nur in Amerika, nur spricht bei uns niemand drüber. Bürgerwehr wäre ein böses Wort, aber gegen hohe Zäune und Mauern, Videoüberwachung und Alarmanlagen sowie einen privaten Wachdienst sind argumentative Einwände schwierig, will man sich nicht dem Vorwurf einer Neiddebatte aussetzen.

Und damit die eigenen Kinder nicht Gefahr laufen, Schulpöbeleien, Schlägereien, Erpressungen und reduzierten Lernchancen ausgesetzt zu sein, werden sie auf teure Privatschulen geschickt. Die boomen zur Zeit geradezu. Die Kinder des Pöbels müssen die Armenschulen besuchen und zweitklassige Abschlüsse machen.

So wird eine der größten Errungenschaften der Arbeiterbewegung, das Recht auf Bildung, ausgehebelt. Und die Arbeitgeber wissen die unterschiedlichen Bildungsinstitutionen genau einzuschätzen, selbst wenn die Abschlüsse formal gleich sein sollten. Da mache sich niemand etwas vor. Individuelle Aufstiegsmöglichkeiten werden immer weniger.

Die Klassentrennung (präziser: der Prozeß der Deklassierung) nimmt an Rasanz zu und es ergibt sich (wie in früheren Zeiten) eine industrielle und dienstleistende Reservearmee, diesmal unter den Rahmenbedingungen einer globalisierten Welt. Nokia läßt grüßen.

Insofern ist ein unreflektiertes Verantwortungsgefühl in einem evangelikalem Sinne gegenüber allen „Mühseligen und Beladenen“ dieser Welt in einem durchaus linken Sinne kontraproduktiv. Durch Humanitarismus läßt sich der Kapitalismus nicht überwinden.

Just my two cents
Rainer


Vor der Hacke ist es dunkel. (Bergmanns-Spruch)