Hallo Bernd

Vielleicht kann ich Dir noch ein paar neue Gründe gegen die Anschaffung einer Winde liefern. Ich bin 2010/11 ein Jahr mit dem T-Rex in Australien gefahren und war Mitglied im Range-Rover-Club, wo es einige grobe Geschütze gab, obwohl die Mehrheit der Mitglieder gar keine Rover fährt. Aber dort hat es Leute dabei, die in Gruppen an Wochenenden in die endlosen Wälder und Landschaften fährt um zu "spielen". Da wird Vieles ausprobiert, Vieles geschafft und einiges an Material geopfert. So kommen diese Leute zu einem grossen Erfahrungsschatz, zu einem Gefühl für das Terrain, für brenzliche Situationen und fürs Machbare, zu einem Gefühl fürs Fahrzeug.
Kurz: in Australien hat "4WDing" eine lange Tradition, es gibt aber auch ein ausgeprägtes Statusdenken: möglichst grosse Räder, "suspension lift", "body lift", bull bar, driving lights (für die Nacht, obwohl dir jeder sagt, man solle nachts wegen der vielen Tiere und möglichen Zusammenstössen besser nicht fahren), Funkantenne (je höher desto besser), Dachträger, roll cage (sozusagen ein Aussenskelett für die Carosserie), zwei Ersatzräder, sliders (seitliche Schienen, damit die Trittbretter keinen Schaden nehmen) ... und ... natürlich ... die winch. Hier liegst Du mit dem "Angeberfaktor" richtig.

Wer sich für jemand hält, der hat eine Winde. Leider musste ich bei mehreren Gelegenheiten feststellen oder mir von kompetenter Seite sagen lassen, dass
  • der Einsatz der Winde gelernt und geübt sein will, und selbst dann nicht ohne Risiko ist
  • die meisten Windenbesitzer weder ausgebildet noch geübt im Einsatz ihrer Winde sind
  • die meisten Winden kaum oder gar nie zum Einsatz kommen
  • eine Winde regelmässig gewartet werden muss (d.h. alle paar Monate), weil sie sonst im Ernstfall wegen übermässiger Reibung oder elektrischen Problemen nach weniger als einer Minute den Geist aufgibt
  • Leute sich in ernsthafte Schwierigkeiten fuhren mit dem Gedanken, dass sie sich ja mit der Winde leicht wieder würden befreien können ..., Situationen, notabene, in die sie ohne Winde gar nicht erst hinein gefahren wären.
Natürlich schafft eine Winde Sicherheit, dass man sich ohne fremde Hilfe aus gewissen Situationen befreien kann. Aber erstens sind unsere Reisefahrzeuge keine aufgemotzten Patrols, und defensives Fahren sollte das Motto sein; dazu gehört auch, dass man schwierige Stellen zuerst zu Fuss abschreitet. Und zweitens kommt man mit dem richtigen Reifendruck und Traktionshilfen ("Sandbleche") in vielen Situationen weiter oder wieder raus. Und hier hätte die Winde allein auch nicht geholfen.

Richtig angewendet ist eine Winde ganz klar ein Plus. Das Cape York im Norden Australiens würde ich wohl auch nicht ohne Winde befahren. Aber wenn Du nur so zur "zum Spass" eine Winde in Betracht ziehst, dann vergiss das besser wieder bis Du einen konkreten Anwendungsfall hast.

Wenn Du Dich weiterhin für eine Winde interessierst, dann kann ich Dir einen langen Testbericht (inkl. hartem Einsatz im Gelände) scannen und bereitstellen. Die von Harry erwähnten WARN-Winden haben sehr gut abgeschnitten, aber nicht gewonnen.

Hope that helps,
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oliver

Last edited by Dámedos; 08/01/2013 06:26. Reason: Ergänzung