Nachdem sich Aufgrund dieses thread´s wieder mal eine signifikante Erhöhung der Telefonanfragen feststellen lässt, Folgendes aus der langjährigen Praxis (zusammengefasst) im Forum, um mir Arbeit zu ersparen:

Reifenaufstandfläche:
Das von PeterM dargestellte und von Oliver zusätzlich erläuterte Rechenmodell der Reifenaufstandfläche sieht in nüchternen Zahlen am Bsp. der MICHELIN Reifen „XZL“ in den Dimensionen 255/100R16 und 275/80 R10 (und somit gleichem Reifenkonzept)in der Realität wie folgt aus:

Der 275/80 R20 (Neureifenmasse Breite/Durchm. = 280x939 mm) würde gemäß Peters Formel eine um ca. 11,5% größere Aufstandsfläche haben als der 255/100 R16 (Neureifenmasse Breite/Durchm. = 255x923 mm).
Tatsächlich gibt MICHELIN in seinen (öffentlich nicht erhältlichen) Sonderunterlagen folgende „footprints“ für den XZL an:

255/100 R16 126K mit max. Radlast 1700 kg: Straße (4,5 bar) = 437 cm²; Piste (2,9 bar) = 577 cm²; Sand (1,7 bar) = 833 cm²

275/80 R20 128K mit max. Radlast 1800 kg: Straße (4,25 bar) = 476 cm²; Piste (2,7 bar) = 590 cm²; Sand (2,0 bar) = 695 cm²

Somit ist leicht zu erkennen daß der von den Dimensionen her „kleinere“, aber in der Flankenhöhe größere 255/100 R16 an sich fast die gleiche und bei Sandluftdruck eine deutliche größere Aufstandsfläche generiert als der Niederquerschnittreifen 275/80 R20, dabei hat der 255/100 R16 wegen seiner höheren Flanken eine bessere (Eigen)Dämpfung, und kann wegen des anderen Felgenkonzeptes auch mit deutlich niedrigerem „Notluftdruck“ gefahren werden, was die Auflagefläche nochmals vergrößert.

All das ist der Grund warum wir den 275/80 R20, obwohl immer wieder danach gefragt wird weil die Leute meinen "größer" = "besser" im Gelände, nicht (mehr) anbieten, zumal dieses Felgen/Reifensystem auch noch mehr kostet.
Einzig für den Sonderfall Feuerwehr, wo es primär auf hohe Traglast ankommt, bieten wir den CONTI MPT81 an, weil wir damit 4500 kg HA-Last (in Kombination mit einem Geländetraktionsprofil) freigeben können. Diese höhere Traglast erreicht der Conti aber mit steiferen Flanken als der Michelin 275/80 R20 und ist somit bei den Aufstandsflächen noch schlechter.

Aber um zu dem Vergleich 315/75 R16 versus 255/100 R16 und die eigentliche Anfrage von Mathias zurück zu kommen:

Ich hätte keinerlei Bedenken an einem Extreme Kastenwagen 255/100 R16 XZL Bj. 2002 zu fahren. Die dabei auftretenden Achslasten und übliche Dauergeschwindigkeit werden auch einen derart "alten" Reifen kaum an sein Leistungslimit bringen. In jedem Fall wird die Karkasse nicht schlechter oder empfindlicher sein als ein runderneuerter Lermagomme, da ich ziemlich sicher bin das die Ital. Armee kaum jüngere Reifen (= Karkassen) abstossen wird

Im übrigen hätte ich auch vor dem runderneuerten Lermagomme keine Angst, sofern ich nicht unzählige Kilometer mit extrem abgesenktem Luftdruck unterwegs sein will. Denn nur in dem Fall wird die Karkasse so start erwärmt und "durchgewalkt", daß ich ein Ausfallrisiko sehe.

Bei Fgst.gewichten bis 4000 kg wird im auch weltweiten Fernreiseeinsatz der 315er ausreichen.
Ein 255/100 R16 in jedem Fall aber bessere Geländegängigkeit und Ausfallsicherheit bieten.
Ein 285/70 R19.5 in jedem eine überragende Ausfallsicherheit.

Bei deutlich über 4-5 to (= und somit über 2-2,2 to HA-Last) hängt es vom hauptsächlichen Einsatzgebiet (also z.B. primär Asphalt+ wenig unbefestigte Piste) und vor allem vom jeweiligen Fahrer ab ob er diesen Reifen über sein Limit bringen wird (bzw. will).
Daher sehe ich für die 2,4 to HA-Alst an SeepR´s T-Rex noch kein wirkliches Problem.

Über 5,0 to Gesamtgewicht oder extrem großen (= bis 4m langen) Kofferaufbauten wird die Wahl dann auf 255/100R16 oder 285/70 R19,5 fallen müssen.

Dazu Bsp. aus der Praxis:

Ich habe gerade einen T-REX E4 zur "Generalüberholung" in meiner Werkstatt der nach 2 Jahren (inkl. 10 Monate feuchter Einlagerung vor Ort) und 40.000 Km aus Südamerika zurück ist. Der ca. 4,8-5 to schwere T-REX (ca. 2 to VA+ ca. 2,8 HA-Last) mit riesigem Alkovenaufbau (ca. 1,4 m Alkoven Länge, bei 2,1 m Kofferbreite) hatte dabei 10 Reifenschäden an seinen 315 ern inkl. 2x Laufflächenablösung an 2 verschiedenen Reifenfabrikaten.
Ein Phänomen daß wir auch bei den 255/85 R16 BFG MT an den ersten Bremachs mit Dust Devil Koffern ab anno 2000 beobachten konnten.
Wie PeterM bereits angedeutet hat scheint die Ursache für diese Lauflächenablösungen im wesentlichen daran zu liegen, daß auf Schlechtwegestrecken in Kombination mit hohen (bzw. unangepasst hohen) Geschwindigkeiten die (ich bezeichne das mal so) „Walkschwingungen“ bei diesen Reifen(typen) die Karkassen überlasten, auch wenn die effektiven Traglasten niedriger sind als die vom Hersteller freigegebenen.
Um das zu verdeutlichen: Bei obigem Beispiel fuhr der Kunde Südamerikanische Wellblechpisten primär "überkritisch", mit bis zu 80-90 Km/h. Die dabei auftretenden feinen (zwar für ihn akzeptablen) Vibrationen haben die Batteriehalterung abgerissen (ein Novum in 15 Jahren Bremach Einsatz) und z.B. auch das originale IVECO Klima/Ladeluftkühlerpaket zerbröselt. Auch der Koffer (Plattenverklebung) hat etwas gelitten.

Die anderen Reifenpannen sind eine Folge davon, daß sich der T-REX z.B. über Wochen im bolivianischen Hochland, auf Pisten und Wegen bis zu 4900 m bewegt hat, was aufgrund der Örtlichkeit bzw. des Untergrundes (Fels, Vulkangestein) und dem insgesamt hohen Gesamtgewicht (im Verhältnis zur Reifendimension) natürlich das Ausfallrisiko durch Schnitte etc. erhöht.

Es wird interessant sein die Erfahrungen vom Alpen-Trex, der mit gleicher Bereifung, ca. 1 to leichter und in derselben Gegend unterwegs ist, auszuwerten.

Andererseits hat ein anderer T-REX Kunde mit gleicher Bereifung und ca. 4,5 to Gesamgewicht in Summe 60.000 Km Gesamt, davon 30.000 Km Indien hin-und zurück mit einer einzigen Reifenpanne überstanden.

Der von Harry erwähnte Cooper Discoverer STT 127Q wird sicher ein geringeres Ausfallrisiko haben, leider kann ihn mir aber keiner meiner Vorlieferanten offerieren.
Ein MICHELIN XZL im Format 255/100 R16 bietet in diesem Achslastbereich einfach ganz andere Traglastreserven und Ausfallsicherheit als jeder noch so modifizierte Geländewagenreifen.

Da aufgrund der aktuellen Geopolitischen Lage Fernreisen mit hohem Extrem-Geländeanteil (z.B. Saharadurchquerungen wie vor 20 Jahren) mittlerweile ohnehin nicht möglich sind, gehe ich mit PeterM konform, dass die reinen Geländeeigenschaften des Reifens immer mehr in den Hintergrund treten. Da neuerdings der Trend zum großen (= -4 m langen) Koffer steigt, tatsächlich ist der 3700 mm Radstand der aktuell am meisten Nachgefragte, entwickelt sich der 285/75 R19.5 mit Traktionsprofil zur echten Alternative.

Noch ein Hinweis zu dem von Harry zitierten Text:

Die Angabe von Luftdrücken für Straße/Piste/Sand bezogen auf das Gesamtgewicht ist sinnlos. Wichtig ist die Kenntnis der aktuellen Achslasten und der darauf dann abgestimmte Luftdruck.
Darauf beziehen sich auch die in der BREMACH Bedienungsanleitung angegebenen Luftdrücke für die verschiedenen Bereifungen und Bodenverhältnisse.

@ Oliver, per mail erhältst Du die aktualisierten Daten, Stand 1/2013.

Der Luftdruckunterschied zwischen „kaltem“ und „warmen“ Reifen (255/100 R16 und 315/75 R16) beträgt ziemlich exakt 0,3-0,4 Bar.

Der Hinweis

> Nach Fahrten mit sehr tiefem Druck (z.B. 1.2 bar im Sand) muss beim Wechsel auf härteren Untergrund sofort der
> Druck erhöht werden (Pannengefahr!). Ebenso ist der Druck für längere und schnelle Fahrten auf Asphalt (mehr als
> zwei, drei Kilometer) auf Strassendruck erhöht, werden, weil sich der Reifen sonst bis zur Zerstörung aufheizen kann.

ist relativ und mit Sicherheit auch für die übliche Reifenluftdruck-Paranoia verantwortlich, weil es so endgültig klingt:

Der 255/100 R16 XZL kann Stundenlang mit Pistenluftdruck (entsprechend der Achslast) auf der Straße und max. 65-70 Km/h gefahren werden (somit einige hundert Kilometer) und wird auch von Minutenlanger Vmax von bis zu 100 Km/h (z.B. beim Überholen) nicht an seine Grenze gebracht werden.
Der 315 wird so etwas eben nicht so lange (bei gleicher Vmax) aushalten.

Niemand zwingt einem auf härterem Untergrund schneller als 20-30 Km/h zu fahren wenn ich Sandluftdruck eingestellt habe um eben nur einige Kilometer bis zur nächsten Weich(sand)stelle zu überbrücken und/oder eine Tankstelle (zum Luft aufpumpen) zu erreichen.
Natürlich leidet dabei ein 315 er im Verhältnis zu einem 255/100 er bei gleicher Achslast mehr. Daher einfach: Geschwindigkeit reduzieren oder Luftdruck rauf.

Last edited by allrad-christ; 24/01/2013 12:36.