Hallo Gemeinde,
unterwegs in Südamerika, sitze ich z.Z. in Arica, NordChile mit einem Problem fest, für das ich Rat von G-Kennern dringend brauche:
Fahrzeug ist ein Iglhaut 308 (Bj 90) mit modifizierter 460er G-Vorderachse. Radaufhängungen original, nur Achsverbreiterung.
Sind schon eine Weile unterwegs im ganzen Kontinen, härteste Pistenkonditionen. Aus der Website www.trackandin.de ist ersichtlich, was wir mit dem "Igl" so alles unternehmen.

Hatte jetzt, weil die Sitze der Nutmuttern (alte Version) auf den Radnaben verschmiedet und uneben geworden waren, und sich in die Nabe eingearbeitet hatten, beide Radnaben und ALLE Lager gewechselt. Radnaben Originalteile hat meine Frau aus D angeschleppt. Ist auch alles OK, nur gibts jetzt mit der Wärmeentwicklung der Lager Probleme. Einstellungsprozedur siehe unten. Leichte Erwärmung bei Kurzbetrieb in der Stadt, nach 5-10km schneller Fahrt (ohne Bremsbetätigung) mit 70-80kmh wird der Kopf der Steckachse warm bis heiß (etwa 50-60°). Hatte nochmals demontiert, kein Sichtbefund, Lagersitz an der Nabe nochmals nachgeklopft. Habe probehalber die alte Radnabe nochmals eingesetzt, schien einen leichteren Gang zu haben. Hm??
Die Verschmiedung war wohl eingetreten, weil die alten Nutmuttern BEIDSEITIG angephast waren, und somit an der Radnabe nur eine geringe Auflagefläche bestand. Bei stärker werdendem Radlagerspiel und brutalem Dauerrüttelbetrieb entsteht dann die Verschmiedung. Daimler kannte dieses Problem, und hat später die Muttern nur noch einseitig angephast, so dass die Auflagefläche größer ist.
Die Radlager der Radaufhängung 460/240GD sind aufgrund der geringen Nutmutterndicke prinzipiell schwer einzustellen. Prozedur laut Iglhaut:
Innere Mutter mit 150-170N anziehen, 1/4 Umdrehung lösen, äußere mit 150N. Daimlerwerkstatthandbuch möchte 0,1 mm Spiel an der Radnabe sehen!!

Warum das riesige Anzugsmoment der äußeren Mutter? Wegen der wenigen Gewindegänge der inneren Wellenmutter übt die äußere sehr viel Druck auf die innere Mutter und damit auf die Radlagereinstellung aus! Sieht aus wie ein konstruktives Problem, die Muttern sind zu dünn!
Frage: Wieviel Wärmeentwicklung ist im Dauerbetrieb eigentlich tolerierbar bzw. normal? Wie weit ist das Moment der äußeren Mutter reduzierbar?

Beim Lagereinstellen beziehe ich mich auf die Daimler CD Werksatthandbuchausgabe G/09/02 Abschnitt Radlagerspiel einstellen AR33.20-P-0300GG.
Das unter Punkt 9 angegebene Voranzugsmoment der inneren Nutmutter von 200 Nm scheint gewaltig groß, zumal mit einer Nutmutter von nur wenigen Gewindegängen angezogen wird. Beim Lösen „knallt“ die Radnabe regelrecht aus der Vorspannung. Deshalb scheint es wohl, dass Iglhaut mit „nur“ 150-170Nm vorspannt. Habe deshalb auch nur mit 160Nm gearbeitet.
Punkt 11 der Beschreibung: Wenn man keine Messuhr hat, mit der man 0,1 mm Spiel messen kann? Alternativ: Aus der (Punkt 10 nennt das) angelegten Position (d.h. von Hand kraftfrei andrehen?) ¼ Umdrehung lösen? OK, dann ist die Mutter frei von der Nabe. Stimmt das?
Punkt 12 nennt kein Anzugsmoment für die äußere Nutmutter. Habe diese jetzt mit 80Nm angezogen.

Derzeit liegt folgende Einstellung vor: ¾ Umdrehung gelöst, äußere Nutmutter mit 80Nm. Es zeigt sich dabei ein gerade beginnendes Klick-Klack-Geräusch/Bewegung, wenn ich im aufgebockten Zustand das Rad oben und unten anpacke und rüttle. Temperatur vom Kopf der Steckachse nach 10km Fahrt bei 70-80 kmh etwa 50° gleichbleibend. Fahrt ohne Bremsbetätigung, um keinen Wärmeeinfluss der Bremsscheiben zu bekommen.
Vielen Dank im Voraus für Ratschläge und mitgeteilten Erafhrungen, Gruß aus Chile, Tilman


TrackAndin
Tilman & Claudia
www.trackandin.de