Hallo zusammen,

da wir gerade beim Thema sind:

Es gibt vier grundlegende Bördelformen, die im KFZ-Bereich zu finden sind:
Bördelung D
Bördelung E
Bördelung F nach SAE
Bördelung F nach DIN

D lassen wir mal außen vor, da in den letzten 100 Jahren nicht im Automobilbau verwendet. Nur so viel: erkennbar ist D daran, daß hier nur das Rohrende nach außen geweitet ist, ohne die sonst typische wieder-Verengung. Sieht im Querschnitt aus wie ein Y

Bördelung E sieht im Querschnitt auch aus wie ein Y, jedoch ist hier das Rohrende wieder komplett nach innen gefaltet und liegt (idealerweise) außen an.

Bördelung F nach SAE ist anders. Hier ist das Ende nicht wieder komplett nach innen gefaltet, sondern nur wieder im 45°-Winkel nach innen zeigt (würde man die Rohr-Wandung weiter nach innen drücken, ergäbe sich am Ende eine E-Bördelung). Dies hat den Vorteil daß, wenn das Rohr ausreichend elastisch ist, die Bördelung wie ein Federring wirkt, sich die Verschraubung also nicht so schnell löst. KuNiFer hat genau hier einen Nachteil, denn es ist weich, und gibt irgendwann nach -> die Verschaubung lockert sich und muß nachgezogen werden.
Historisch gesehen ist E jedoch der Nachfolger von F (nach SAE) auf dem amerikanischen und asiatischen Markt.


Allen drei bisher genannten Bördelungen ist eines gemeinsam:
Die Außenwand des Rohrs geht im 45°-Winkel in die Bördelung über. Die Verschraubungen sind dafür innen um 45° angefast (bilden also einen Trichter).

Der Nachteil, der sich hieraus ergibt, ist, daß die Bördelung am Rohr die Verschraubungen beim Festziehen aufweiten. Im Extremfall kann die Verschraubung hierbei reißen. Undicht wird sie zunächst nicht, jedoch bekommt man ein Problem beim Lösen, da sich die Verschraubung wie ein Dübel fest krallt.

Hier kommt nun die Bördelung F nach DIN ins Spiel:


Bördelung F nach DIN:
Sieht aus wie Bördelung F nach SAE, jedoch ist der Übergang vom Rohr in die Bördelung nun im 90°-Winkel statt im 45°-Winkel. An der Spitze bildet die Bördelung nun einen 115°-Winkel
Die Verschraubung ist nicht mehr angefast, sondern nur noch engratet.

Hierdurch liegt die Stirnfläche der Verschraubung wieder komplett auf der Bördelung auf.

Wenn man sich das vor Augen führt, wird man recht schnell merken, warum man diese Typen nicht miteinander mischen sollte, denn die Bördelung muß sowohl zur Verschraubung als auch zum Teil, wo die Verschraubung eingeschraubt wird, passen!

Bei den Verschraubung gibt es auch Unterschiede. Bei europäischen Fahrzeugen haben die Verschraubungen vorne eine "Führung", also einen Teil ohne Gewinde. Bei amerikanischen und asiatischen (metrische Gewinde!) Fahrzeugen geht dagegen das Gewinde bis an die Spitze. Das Problem hierbei ist, daß bei vielen Bohrungen die Gewinde nicht bis unten geschnitten sind (weil ja eben für Verschraubungen mit Führung vorgesehen), die Verschraubung kann also nicht weit genug hinein gedreht werden, um die Leitung abzudichten. Ebenso gibt es Verschraubungen mit unterschiedlich langen Gewinden, hier gibt es mitunter dasselbe Problem, wenn das Gewinde zu kurz ist.


Lange Rede, kurzer Sinn:
Aufpassen, und keine Experimente wagen. Gerade bei der Bremse!


Grüße
DaPo


Fußball war doof, Fußball ist doof, Fußball bleibt doof.