Ich glaube, dass ich den Fehler nun gefunden, jedoch noch nicht behoben habe. Um den Einfluss der Reifen auszuschließen, habe ich den G auf Böcke gestellt und die Reifen demontiert. Anschließend habe ich mir ein Schwingungsmessgerät ausgeliehen und den Sensor am Rahmen installiert. Den dazugehörigen Drehzahlsensor habe ich an der Kardanwelle zur Hinterachse installiert. Dazu wird ein Streifen Reflektorklebeband aufgeklebt und der optische Drehzahlsensor darauf ausgerichtet.
Das Gerät kann neben einer reinen Schwinungsmessung (Schwinggeschwindigkeit oder Beschleunigung) auch eine FFT-Analyse (Fast-Fourier-Transformation) durchführen. Das bedeutet, dass die ankommenden Signale in ihr Frequenzspektrum zerlegt werden. Somit können die einzelnen Frequenzen herausgefiltert werden.
Ich habe nun die Drehzahl so weit erhöht, bis ich laut Tacho in dem problematischen Geschwindigkeitsbereich (80...120 km/h) war. Die Vibrationen waren nun ganz deutlich zu spüren. Nun hab ich die Analyse gestartet. Das Ergebnis ist auf dem Foto sichtbar: Bei einer Drehzahl der Kardanwelle von ca. 2400 U/min war bei ca. 40 Hz eine starke Schwingung vorhanden - ebenso bei 80 Hz (1.Oberwelle). Die Frequenz von 40 Hz entspricht 2400 Schwingungen pro min (40x60). Somit war die erste Messung gleich ein Volltreffer und die Kardanwelle als Übeltäter ausgemacht.
Anschließend habe ich diese demontiert und genauer untersucht - leider ohne Befund. Es waren keine Gewichte abgefallen und ein Verschleiß nach 26.000 km kann ich jetzt mal ausschließen. Nach ein paar Stunden Unterbrechung und Ratlosigkeit habe ich mich mit einer Messuhr bewaffnet und den Rundlauf des Flansches am Eingang des HA-Differentials gemessen. Ich war schockiert: Im WIS ist ein max. Rundlauffehler von 0,07 mm angegeben. Mein Flansch hat aber 0,4 mm Rundlauffehler (axial und radial). Das das vibriert ist nun nicht mehr verwunderlich.
Wie kann das nun sein: Ganz einfach - leider kam ich zunächst nicht drauf: Meine Achsen waren etwas rostig, weswegen ich mich im Winter entschloss diese auszubauen und zu restaurieren. Sie wurden gestrahlt, spritzverzinkt, grundiert und wieder lackiert. Im Betrieb, in dem das durchgeführt wurde, fiel damals die HA von der Palette und knallte mit dem Flansch auf dem Boden. Dieser war verbogen und wurden auf Veranlassung des Sandstrahlbetriebs (der den kleinen Unfall zum Glück gleich zugegeben hat) durch den örtlichen Mercedes-Händler getauscht. Offenbar wurde hier gepfuscht und der Rundlauf nicht wie im WIS beschrieben kontrolliert.
Ich habe die Sache nun reklamiert und warte auf Antwort. Den Fall habe ich per Mail geschildert, aber noch keine Anwort erhalten. Mercedes lässt sich da offensichtlich Zeit. Nun bin ich mal gespannt, was sich die Herren morgen einfallen lassen... Ich hoffe, dass der Triebling nicht verbogen ist, was aber schon sein kann, da der Flansch ja neu war. Somit sollte der Rundlauf ja eigentlich passen. Mal sehen....