Ok,
das Auto meiner Frau (alter Mini) war im letzten Jahr unerwartet oft in der Werkstatt. Dadurch konnte ich immer mal Ersatzwagen fahren; alles BMW. Ich erinnere einen iX1, i5, Mini Cooper, und als Verbrenner 1er und 3er. Als Highlight kurz auch einen iX3 - das ganz frisch herausgekommene Modell. Nach den Erfahrungen ist klar, meine Frau bekommt als nächstes Auto ein E-Auto. Nachhaltig beeindruckt bin ich von technischer Seite vom iX3. 70tsd Euro sind für mich etwas sehr ausser Reichweite. Dennoch, das Auto wird gekauft. Der Händler hatte noch nie, daß so viele Anfragen und Verträge noch vor der Präsentation zustande kamen. Bei der Nachfrage gibt es auch recht wenig Rabatt beim Kauf. Die Jahresproduktion ist schon über 1 Jahr ausverkauft. Und davon abgesehen ist etwas mehr, als jeder zweite Verkauf dieses Händlers ein e-Auto.
Was ich mir denke, ist, die Praxistauglichkeit der Fahrzeuge ist jetzt schon ohne Zweifel -für mich persönlich, für das was ich brauche. Es gibt immer ein paar Anwendungen, wo sowas wie e-Auto gar nicht geht. Bei Anhängelast usw., seh ich alles ein. Für die Mehrheit könnte es aber bereits klappen. Und dann wird die gegenwärtig noch nur in den hochpreisigen Modellen vorhandene Top-technik ja mit der Zeit in günstige Segmente durchgereicht werden. Irgendwie regelt der Markt da also scheinbar / offensichtlich schon etwas. Und ich glaube, daß der Trend weitergeht und man sich darauf einstellen muss.
Das "Problem" bei der Elektromobilität, wie beim Heizen mit Wärmepumpen ist, denke ich, der Innovationssprung (dieser Gedanke kommt aus einem Podcast von Maja Göpel). Während es bisher immer nur kleine Fortschritte gab, ist nun einer da, der ziemlich viel umwälzt. Wenn nun, theoretisch, alle elektrisch fahren, dann schmilzt die Geschäftsgrundlage für etliche Zulieferer. Je nachdem, wie der aufgestellt ist, und wenn ohne Alternative, dann kann es für diesen übel ausgehen. Öle, Kupplungen, all so etwas wird viel weniger gebraucht. Die Akkus halten länger als befürchtet. Ford hat einen Mach-E 500tkm gefahren und am Ende hat der Akku nur 8% der Kapazität verloren. Deswegen kommt Recycling auch so schleppend in Gang. Ich hoffe aber, daß sich das ändert, denn wenn es keinen Ersatz für die bisherigen Alkalimetalle gibt, wird wichtig, nicht mehr die Erde umzukrempeln, sondern zB das schon herausgeholte Lithium wiederzuverwenden. Wie sieht die Werkstattlandschaft in 50 Jahren aus. Wie ist es bei der Schornsteinfegerinnung, wenn größtenteils Wärmepumpen laufen
? Auf nationaler Ebene ist zum wiederholten mal ein Fehler passiert: Einst war unser Land Weltmarktführer in Solarzellen, das wurde politisch m.W hintenrum gekappt. Dann passierte bei Windenergie dasgleiche. Aktuell geschieht wieder das bei Wärmepumpen in Heizungen. Und jedes Mal übernehmen kurzfristige Sichtweisen und verhindern etwas, das wirtschaftlich eine Perspektive bietet, nämlich ganz weit vorn, oder an erster Stelle zu sein bei den Techniken, die in Zukunft in den Industriennationen, so wie wir sie jetzt kennen, ganz viel bestimmen werden. Hier wäre das Potential gewesen, die Wirtschaftsleistung daher ausweichen zu lassen, die anderenorts durch diese Entwicklung schmilzt. Wenn das nicht passiert, steht man in ein paar Jahrzehnten doof da. Im Gegensatz zu Chinesen, die zwei bis drei Vorteile haben. Und die fühlen sich teils ungerecht an. Dabei denke ich an subventionierte Autos, die westliche Konkurrenz unattraktiv macht. Dann werden Entscheidungen von oben bestimmt und keiner hat was dagegen zu sagen. Und China hat verstanden, bei Verbrennermotorentechnik die Entwicklung nie aufzuholen. Karosserie und Fahrwerk und Elektronik -das können alle. Aber einen guten Verbrenner zu entwickeln nicht. Statt nun trotzdem dem Verbrenner hinterher zu hechten, haben sie ihn einfach übersprungen und sich voll auf das Elektroauto gestützt. Dank der eigenen Rohstoffe und der vertraglich gebundenen Ländern in zB Afrika haben sie guten Zugriff auf die Rohstoffe. Das KnowHow scheint mir mittlerweile alles andere als zurück zu sein. Wenn es ein Leistungssprung in der Ladetechnik gibt - die letzten zwei kamen aus China; von dem was ich so mitbekomme. Deswegen finde ich ja auch gut, daß Autos wie der iX3 erfolgreich sind und sich an der Spitze behaupten können.
Auf alle Fälle hilft es nicht, Zukunftstechnologien (Solar, Wind,...) ein Bein zu stellen, sich darauf zu konzentrieren, worin man früher so besonders gut war. Das geht höchstens in kleinen Teilen, in Nischen. So wie die gute Schallplatte eine Renaissance erfuhr. Aber deswegen wird damit trotzdem nicht der große Umsatz gemacht. Und wenn man solche Entwicklungen auf doof findet, im ganzen Leben stoßen wir doch darauf. Dummerweise entwickeln sie sich zu schnell, als daß man sich erlauben kann, gemächlich abzuwarten und die Gewöhnung einfach passieren zu lassen. Der Einzelhandel wurde durch das Internet umgewälzt. Und wenn ich mehr nachdenke fallen mir bestimmt noch mehr Beispiele ein. Es nutzt nichts : Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. So heißt es. Oder anders, an Schachspieler wird auch nicht weit kommen, wenn er immer nur einen SChritt voraus denkt, oder gar zurück.
Ganz wesentlich hoffe ich, daß darüber die Umwelt nicht doch auf der Strecke bleibt. Die Wahrscheinlichkeit spricht leider dagegen.
Professor Sebastian Seiffert hat in einem Video gezeigt bzw. gesagt (ich versuche es aus der Erinnerung möglichst korrekt wiederzugeben), die Klimaprobleme
sind da und er könne es auch nicht ändern. Darauf habe er zwei Reaktionen erfahren. Die erste war heftige Abwehr. Und das sei auch klar. Leute haben sich hinter einer Tür bequem eingerichtet und wollen so weitermachen. Kommt da einer und sagt "das geht so nicht weiter" wird das doof gefunden. Aber es gebe auch Leute, die ihm zureden und sagen "finden wir total gut, daß Sie das alles so sagen. Machen Sie bitte weiter". Und auch da sitzt man hinter einer Tür. Nämlich dort, wo man sagt "schön, wenn sich einer kümmert. Das ist ja richtig Aber dann brauch ich mich ja nicht bewegen". Und diesen Punkt fand und finde ich wichtig. Denn ich sehe, daß ich eine Verantwortung habe gegenüber den nächsten Generationen. Gegenüber meinen direkten Erben allemal. Man hat mal mehr und mal weniger Möglichkeit. Aber was ich tun kann, will ich mir vornehmen. Ein Schritt zum Beispiel ist die Umrüstung der Heizung. Auch wenn deren "Return of invest" kommt, wenn ich bestenfalls im Seniorenheim bin. Wirkt komisch, aber eigentlich habe ich nur eine Priorität verschoben. Oder so ähnlich. Hätte ich auf meine alten Tage einen teuren Oldtimer gekauft, dann hätte das niemand infrage gestellt. Geld hingegen in die Heizung zu investieren ist nicht statusfördernd. Und das ist jetzt halt egal.
Es kommt nun auch nicht darauf an, daß meine Gedanken übernommen werden. Das wäre Quatsch. Worauf es ankommt ist, daß man das Mögliche tut, wo es sich auftut. Daß eine Bereitschaft da ist, weiter zu denken, als an kurzfristige Bilanzen. Denn auch das holt "einen" ein. Die Kosten, die durch Naturkatastrophen entstehen, die man Klimaverämnderungen zuschreiben kann, werden heute noch geflissentlich außer Acht gelassen. Es kann einen doch nicht kalt lassen, wenn zB in Italien der große Fluss austrocknet, Schmelzwasser zu wenig ist, Anbauflächen nicht mehr wirtschaftlich oder überhaupt zu beackern sind. Das mag einem weit weg vorkommen, so wie "betrifft mich ja auch nicht". Genauso wie es weit weg ist, wenn Fischer an der Küste Westafrikas keine Fische mehr fangen können. Aber solche Umstände bleiben nicht isoliert stehen. Es gibt Implikationen, Konsequenzen. Und die werden auch anderswo gespürt weden.... was wieder den Kreis schließt zu dem, daß das Mögliche getan werden muss, statt nach aller Möglichkeit hochzuhalten, was früher noch so funktionierte.
Last edited by landybehr; 22/03/2026 19:45.